Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Kultur Shawn Mendes – Pop für die großen Momente
Nachrichten Kultur Shawn Mendes – Pop für die großen Momente
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:29 04.06.2018
Ein Mädchenschwarm mit Ausstrahlung: Shawn Mendes (hier beim Finale der jüngsten Staffel von „Germany’s Next Topmodel“) baut auf dem dritten Album „Shawn Mendes“ sein Soundspektrum aus. Quelle: dpa
Anzeige
Toronto

Das Gitarrenspiel hat er sich über Youtube-Editorials selbst beigebracht, mit Videos von Coverversionen anderer Künstler brachte er es dann auf dem Portal Vine zum Musiker mit den drittmeisten Followern. Da war Shawn Mendes, der aparte Bubi aus dem Speckgürtel von Totonto, der Sohn eines Geschäftsmannes und einer Immobilienmaklerin, gerade mal 15 Jahre alt.

Mit 16 hatte er dann schon einen globalen Hit: „Stitches“, das Lied über einen schlimm von der Liebe am Herzen verwundeten Romeo, brachte ihn zwar in den Verdacht, „nur“ Pop für Mädchen zu machen. Und das zugehörige Album „Handwritten“ räumte diesen Verdacht auch nicht unbedingt aus.

Ein Jüngling mit Hits in den Adult-Popcharts

Aber Mendes‘ relativ karg instrumentierte, gitarrenbasierte Songs verschafften ihm Aufmerksamkeit, hatten Reize, die der schnelllebige Standardteeniepop um ihn herum nicht hatte. Trockene Arrangements: Bass, Percussion, eine verführerische Seufz- und Glucksstimme, wandelbar, mit Kraft. Und eine Gitarre, die zurückhaltend eingesetzt, umso mehr auffiel.

Der Nachfolger „Illuminate“ bestätigte im Herbst 2016 den Erfolg des Debüts. Warf Songerfolge wie „Treat You Better“ und „There’s Nothing Holding Me Back“ ab. Liebeslieder eines Teenagers, die auch ein Publikum jenseits der Zielgruppe fanden. Im August 2017 war Mendes der erste Künstler unter 20 Jahren der drei Nummer-Eins-Hits in der US-Hitparade für Erwachsene hatte, den Billboard Adult Pop Song Charts.

„Hymnen für große Momente im Leben der Menschen zu schaffen“, verriet er dem Musikmagazin Clash seinen Plan. „Meine Musik soll nicht ein paar Monate da sein und dann wieder verschwinden.“ Einen Unterschied wolle er machen, anders sein.

Akustische Verbeugungen vor Prince

Das macht er jetzt schon zum dritten Mal. Und ist immer noch unter 20 (runder Geburtstag im August), wenn jetzt sein drittes Album in den Charts steigt. Er hat es selbstbewusst mit seinem Namen betitelt. „Shawn Mendes“ von Shawn Mendes ist ein weiterer Schritt in Richtung der erstrebten Ewigkeit.

Im ersten Song „In My Blood“ thematisiert der Kanadier seine Angststörung („Manchmal möchte ich aufgeben / aber ich kann’s nicht / es liegt nicht in meinem Blut“). Nach einem leisen Auftakt rockt er so fulminant wie nie zuvor. Typischer für das Album ist indes das folgende „Nervous“, in dem sich Folk und Funk vermischen und das sich spätestens, wenn Mendes mit der Stimme ins Falsett steigt, als Hommage an Prince (der „Parade“-Phase Mitte der Achtzigerjahre) entpuppt.

Wieder folgt Mendes seinem „Weniger ist mehr“-Prinzip. Das jazzige „Lost in Japan“ schlägt in dieselbe Kerbe. Und das mit nautischen Keyboardsignalen ausgestattet „Particular Taste“ erst recht. Wie Mendes hier das Wort „particular“ (besonders) betont, möchte man ihm mit Prince glatt ein „I just want your extra time and your - kiss“ entgegensingen. Noch so eine Verbeugung vor dem 2016 verstorbenen Genie aus Minneapolis.

Liebeslieder sind nicht „silly“ (sagt Paul McCartney)

Überall erweist sich das Songwriting von Mendes (meist schreibt er mit der Transgender-Musikerin Teddy Geiger und den Gitarristen Scott Harris und Geoff Warburton, aber auch schon mal mit Ed Sheeran und OneRepublic-Sänger Ryan Tedder) als gereift, überall ploppen Hits auf.

Das zusammen mit der Amerikanerin Julia Michaels gesungene „Like to be You“ hat eine Gitarre die ihre Töne tröpfeln lässt, und ein Keyboard (gespielt von seinem Idol John Mayer), das anmutet, als habe man ein Saxofon unter Wasser aufgenommen. Mit dem amerikanischen Sänger Khalid singt er das soulfolkige „Youth“ – ein Lied über die Angst zu zerbrechen, seine Seele und Jugend zu verlieren, jemand zu werden, der man nicht sein will. Und „Queen“ hat mit seinem Refrain das Zeig, ein zweites „Stitches“ zu werden.

Der liebenswerte Junge mit der Gitarre wächst, probiert sich aus, geht auch textlich übers Schema F hinaus. Klar sind immer noch viele Liebes- und Liebesleidlieder im Angebot, aber wie sang schon Paul McCartney vor 42 Jahren im Wings-Hit „Silly Love Songs“ – „what’s wrong with that?“ Eben. Gar nix ist falsch daran.

Shawn Mendes: „Shawn Mendes“ (Island)

Von Matthias Halbig / RND

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Zukunft ist rosig dank chemischer Mittel in Stanislaw Lems Roman „Der Futurologische Kongress“. Und Astrid Großgasteiger bringt den Science-Fiction-Klassiker zum Vergnügen des Premierenpublikums als Weltuntergangsposse auf die Bühne des Werftparktheaters Kiel.

Ruth Bender 03.06.2018

Die 21. Ausgabe des Wilwarin Festival war im Vorfeld mit 5000 Tickets ausverkauft. Beim Blick auf den Zeitplan der beiden Live-Bühnen „Main Stage“ und „Second Ground“ sind sich in diesem Jahr die Besucher in vielen Gesprächen jedoch einig, dass sich vom Hörensagen wenig Bekanntes finden lässt.

Thorben Bull 03.06.2018

„Männer sind faul, sagen die Frauen“, sagt Comedian Mario Barth und eine so gut wie ausverkaufte Sparkassen Arena amüsierte sich am Sonnabendabend prächtig bei den neuesten Mann-Frau-Erkenntnissen des Berliner Humorstars.

Kai-Peter Boysen 03.06.2018
Anzeige