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11:00 10.11.2016
Von Sabine Tholund
Urgestein des britischen Einmanntheaters: Pip Utton Playing Maggie (Thatcher). Quelle: *
Kiel

„Ich sehe alle möglichen Katastrophen vor mir und denke, es wird alles schief gehen“, so die Festivaldirektorin in ihrer eigenen, liebenswerten Art. „Doch auch bisher hat ja alles wie durch ein Wunder immer geklappt.“

 Die Entstehungsgeschichte von Thespis geht auf das Jahr 1997 zurück. Damals stand die aus Polen stammende Schauspielerin in Minsk selbst bei einem Monodrama Festival als Solistin auf der Bühne. Ihr Mann brachte sie auf die Idee, ein vergleichbares Festival in Deutschland zu organisieren. Zwei Jahre später war Thespis geboren – und hat international seitdem viele Nachahmer gefunden „Wir wussten damals nicht, ob es eine Eintagsfliege wird“, erinnert sich Sutowicz. Anfängliche Zweifel, die heute Geschichte sind. Die Auszeichnung mit dem Kulturpreis der Stadt 2012 für die Gründung und Etablierung des Festivals, das Kiel alle zwei Jahre in den Fokus der internationalen Theaterszene rückt, spricht für sich. „Es ist jetzt einfacher, eine Finanzierung auf die Beine zu stellen“, freut sich die Direktorin, die das Programm zum Jubiläum erweitert hat.

 So treten im Rahmenprogramm bekannte Gesichter wie Birute Mar und Pip Utton auf, die das Festival mit geprägt haben. „Außerdem haben wir diesmal keine inhaltlich bunte Mischung zusammengestellt, sondern zeigen gezielt Stücke mit aktuellen gesellschaftlichen oder politischen Themen.“ Eine Frau, die Nein sagt, ist Mars „Antigone“, Rebecca Vaughn zeigt eine junge Königin zwischen öffentlichen Zwängen und privaten Bedürfnissen („Elizabeth I“), Utton präsentiert ein vielschichtiges Porträt der Eisernen Lady („Playing Maggie“). Wie sein britischer Kollege, der noch einmal seine gefeierte Hitler-Persiflage („Adolf“ ) aufführen wird, tritt Donal O'Kelly gleich zweimal auf, darunter mit einem Stück über einen irischen Pazifisten und Frauenrechtler, der 1916 in den Straßen Dublins von einer britischen Militäreinheit erschossen wurde („Hairy Jaysus“).

 Um den vielbeschäftigten Iren, der eigens aus Washington einfliegt, habe sie lange gekämpft, erzählt Jolanta Sutowicz. Ihre Wunschgäste entdeckt sie auf den Monodrama Festivals rund um den Globus – O'Kelley beim Fringe Festival in Edinburgh. „Er fand unser Konzept interessant.“ Es ist in der Tat so besonders, dass die Gäste gern wiederkommen. Denn bei Thespis sind Organisatoren, Schauspieler und Regisseure quasi rund um die Uhr zusammen. „Wir essen gemeinsam und sehen alle Stücke gemeinsam an. Das ist selten und viele mögen diese Atmosphäre.“ Dass diese achttägige Gemeinschaft auch anstrengend sein kann, steht außer Frage. „Aber es ist vor allem schön. Wir sind ein starkes, eingespieltes Team und bekommen viel Unterstützung vom Theater und von der Pumpe.“

 Zur Eröffnung steht mit Kristien de Proost eine Belgierin auf der Bühne, deren Stück „On Track“ auf so amüsante wie körperbetonte Weise unsere von ständiger Zeitnot getriebene Gesellschaft aufs Korn nimmt. „Die Fragen, die die Schauspielerin stellt, gehen uns alle an“, so Sutowicz. „Wir rennen und rennen und keiner weiß wirklich, warum und wohin.“

 Thespis, 11. -18. November. Eröffnung Freitag im Schauspielhaus, 20 Uhr. Karten unter Tel. 0431/901901. Programm unter www.thespis.de

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