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Kultur Die Frau, die sich traut
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08:52 16.02.2019
Von Ruth Bender
Überzeugende Komödiantin: Rafaela Schwarzer ist "Die Frau des Michelangelo". Quelle: Thomas Eisenkrätzer
Kiel

Typisch: Flo lässt sie mal wieder hängen. Dabei hat sich die Frau auf der Bühne extra in Schale geworfen für das Freundinnen-Treffen in der Hotelbar. Stattdessen beobachtet sie jetzt der Typ von gegenüber. Ausführlich, taxierend, herausfordernd. Eine sehr alltägliche Episode – und Rafaela Schwarzer hängt die Frau im Widerstreit ihrer Gefühle auf, hin- und hergerissen zwischen dem Vergnügen über die unverhoffte Aufmerksamkeit und der Entrüstung über die Aufdringlichkeit. Die nervösen Hände, der glänzende Blick und der leicht affektierte, belustigte Tonfall, das alles lässt keinen Zweifel daran: Diese Frau will vor allem eine Geschichte loswerden.

Eine Fantasie über Verführbarkeit

Eine (Männer-?) Fantasie über Verführbarkeit, unklare Gefühle und ein unmoralisches Angebot. Denn während die Dame noch überlegt, ob sie den Glotzer ermuntern oder ignorieren soll, liegt der Preis schon auf dem Tisch: 1500 Euro. Wow!?

Rafaela Schwarzer im Monodrama

Genüsslich breitet Rafaela Schwarzer den Monolog aus, arbeitet sich vom noch etwas steifen Einstieg zusehends lustvoll in eine Geschichte hinein, die jeden Frauenabend zum Glühen bringen würde. Sie lässt scheele Blicke fliegen, fläzt sich in Macho-Pose aufs Sofa und gibt so dem imaginären Gegenüber Gestalt, oder sie fasst sich in die Contenance der höheren Hausfrau. Schließlich ist die Frau, die sich hier als Prostituierte missverstanden fühlt, ordentlich verheiratet, mit zwei Kindern, der Mann ein namhafter Haarspezialist, auch wenn die Praxis gerade nicht mehr ganz so floriert. Französischlehrerin war sie auch mal; nur das mit der Arbeit, das war nichts für sie. Das lässt sie so nonchalant einfließen, wie die brav cremefarbene Kombi aus Minirock und Bluse ahnen lässt, dass darunter auch andere Sehnsüchte wohnen.

Knappe Szene, harte Blackouts

Sie hadert eine Weile, aber dann lässt sie sich ein auf das Spiel – das ist es, was sie lockt. Dass sie sich dazu noch verknallt, ist erstmal nicht eingeplant. So geht es in knappen Szenen, gekappt durch harte Blackouts durch die Geschichte. Und das Wirrwarr der Gefühle macht Rafaela Schwarzer in kleinen Gesten und verhaltener Mimik sichtbar.

Flirrende Erotik

Ab und zu wünscht man sich, dass sie die Bremse noch etwas lockern würde zwischen Sofa und Tisch, Grübelei und befreitem Selbst. Andererseits passt die Geradlinigkeit und kühle Zurückhaltung auch zu Assous’ Text, der die unaufdringliche Erotik in Zwischen- und Untertönen flirren lässt.

Klischees mit Charme

Das hat nicht die Dimension von Yasmina Rezas Gesellschaftsstücken, bleibt auch mal im Klischee hängen von der Frau, die beim Kompliment „Du bist schön“ schmachtend einknickt. Aber es verströmt auch einen luftigen Charme, dem man sich ebenso gern hingibt wie dem frivolen Reiz der Situation.

www.komoediantentheater.de

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