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Kultur Anne-Sophie Mutter, groß in Form
Nachrichten Kultur Anne-Sophie Mutter, groß in Form
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18:18 21.08.2017
Ein verschmitztes, seit einem Vierteljahrhundert perfekt aufeinander eingeschworenes Duo: Anne-Sophie Mutter und Lambert Orkis. Quelle: Axel Nickolaus

Den Bezug zur amerikanischen Kollegenlegende liefert Mutter in Heifetz-Zugaben aber auch gleich selber nach, die sie vielleicht noch schöner, noch intensiver, noch frappierender spielt als er einst selber. Außerdem kommt noch eine Hommage an John Williams als Sahnehäubchen obendrauf.

Lambert Orkis will bei alledem auf keinen Fall stören und rollt am Steinway einen zartgewebten roten Seidenteppich unter die Klänge der Stradivari. Wie gewohnt entsteht bei dem Weltklasse-Duo auf diese Weise eine Art Gentleman-Agreement-Effekt, der kammermusikalische Intimität garantiert, aber letztlich auch das Gleichgewicht von Violine und Klavier stört – und manchmal interpretatorische Rätsel aufgibt. Beispielsweise tönt Mozarts A-Dur-Sonate KV 526 so grätenlos verhuscht als wollte sie sich unbedingt den 200 Jahre jüngeren Quartz-Klangglitzereien und dem Zahnrad-Geklicker in Sebastian Curriers Uhrwerk-Getriebe Clockwork angleichen.

Nach der Pause schwenken beide auf den Schwerpunkt-Pfad des diesjährigen SHMF ein: In Maurice Ravels und Francis Poulencs französischen Violinsonaten hört man ein superb impressionistisch hingetupftes Glasperlenspiel voller Farbbrechungen und Lichtwechsel. Auf die Jazz-Bezüge und baskischen Widerhaken bei Ravel wird dabei allerdings allenfalls mit mitteleuropäischer Distanziertheit, beinahe Ironie hingewiesen. Und so richtig „con fuoco“ (mit Feuer) oder „tragico“ (tragisch) geht es bei Poulenc auch nicht zu. Deshalb bleibt der emotionale Wirkungsgrad auch eher gering. Der Bewunderung und den Ovationen tut das allerdings keinen Abbruch.

Von Christian Strehk

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