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Kultur Ein Tanz auf dem Vulkan
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08:00 04.10.2018
Von Sabine Tholund
Arbeit am „Gesamtkunstwerk“: Regisseurin Annette Pullen, Bühnenbildnerin Iris Kraft und musikalischer Leiter Moritz Caffier. Quelle: Marco Ehrhardt
Kiel

Bertolt Brechts Werk mit 22 Songs von Kurt Weill will vor allem ein politisch engagiertes Theaterstück sein. „Man kann keine richtige Genrebezeichnung dafür finden“, sagt Regisseurin Annette Pullen. „Es ist weder ein Musical noch ein Schauspiel mit Musik, sondern ein ganz besonderes Gesamtkunstwerk.“ Sie stellt ein kulinarisches  Untergangsszenarium „mit allen moralischen Abgründen“  in Aussicht, gleichzeitig einen „sehr heutigen Abend was das Tempo und die Rasanz angeht.“

Lustvoll werden Klischees bedient

Prall, bunt und deftig geht es zu in der Geschichte um den Bettlerkönig Peachum, der in friedlicher Koexistenz mit dem smarten Oberganoven Macheath seinen „Geschäften“, nachgeht, bis letzterer sich erfrecht, heimlich Peachums Tochter Polly zu ehelichen. Doch dem Gangsterboss wirklich gefährlich zu werden, ist nicht leicht, denn dessen Kontakte zur Polizei sind mehr als geschmeidig.  Lustvoll werden hier Klischees bedient bei der Zeichnung der Figuren, die entgegen Brechts eigener Forderung nach epischer Verfremdung sehr differenziert ausgefallen ist.

Brecht kann berühren

 „Ich bin ganz froh, dass dem Autor die Erfüllung seiner eigenen Vorgaben hier nicht ganz gelungen ist“, so Pullen. „Denn obwohl er es nicht will: Brecht kann die Zuschauer berühren.“ Die Musik hat daran erheblichen Anteil. Einerseits beschwingt und eingängig, entsteht im Zusammenspiel mit den rauen Texten ein Reibung, die unter die Haut geht. Der musikalische Leiter Moritz Caffier fühlt sich durch Kurt Weills konkrete Vorgaben für die Instrumentierung nicht eingeengt: „Unsere Freiheiten liegen im Detail.“     sth

Schauspielhaus Kiel, Premieren Sonnabend,6.10., 20 Uhr, Sonntag, 19 Uhr. Karten: Tel. 0431/901901

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