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Kultur Tornado garantierte stürmisches Kabarett
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16:17 08.10.2017
Von Kai-Peter Boysen
Arnulf Rating bei der Vorpremiere seines Programmes "Tornado" im Lutterbeker. Quelle: Kai-Peter Boysen

In Hut und Mantel, den Aktenkoffer in der Hand sowie den obligatorischen roten Schuhen an den Füßen hetzt Rating durch die voll besetzten Reihen, schimpft auf die Bahn und nimmt am Tisch Platz – um ein halbes Hähnchen zu essen. In der Eile sei er nicht zum Essen gekommen, erzählt er, während er auf wenig appetitliche Weise die Zähne ins Geflügel schlägt. „Die ganze Massentierhaltung, wie versauen uns doch das Trinkwasser mit dem Nitrat“, sinniert er mit vollem Mund, aus dem noch Fleischfetzen ragen. Das soll natürlich so, denn Rating doziert nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern weiß um menschliche Schwächen. Diverse Seitenhiebe muss das Probsteier Publikum für das Wahlergebnis von 12,5 Prozent für die FDP einstecken.

Über die Dieselmanipulation („Der größte Einzelaktionär von VW ist der Staat Katar – die haben das Husten schon im Namen“) oder auch die Angst vor so genannten Horrorclowns in den USA („Und ein paar Tage später haben die einen Horrorclown gewählt“) bis zu Guido Greuel, „Verkaufsberater Politik“ ist Ratings „Tornado“ ist ein salziger Sturm, der über offene Wunden fegt; das schmerzt zwar, aber hilft, eine Haltung einzunehmen.

Mithilfe projizierter Fotos stellt Rating das perfide Werk Edward Bernays vor; der Neffe von Siegmund Freund war einer der ersten PR-Berater, der „die Macht des Unbewussten“ für eine Strategie nutzte, um die öffentliche Meinung zu manipulieren. „America First“; Bernays Propaganda erhält einen aktuellen Bezug zum amerikanischen, aber auch bundesdeutschen Wahlkampf, den Rating trefflich herstellt. „Der Schnee von gestern kann die Lawine von morgen sein“, mahnt der 66-Jährige, der mit dem Anarcho-Trio Die 3 Tornados (1977 – 1990) bekannt wurde.

Auch wenn es nur noch einer ist, es ist sehr erfrischend und bewusstseinsfördernd, sich von diesem Tornado durchpusten zu lassen.

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