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Kultur Auf scheinbar zielführenden Pfaden
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11:57 04.01.2012

Dass es Verbindendes zwischen den gewaltigen tektonischen Skulpturen von Pit Kroke und den filigranen Raumzeichnungen von Heike Weber gibt, zeigt die Schau Verführung Ordnung.

Der poetische Ausstellungstitel ist quasi eine Leihgabe des Philosophen Jean Baudrillard. Der Franzose schreibt in einem Aufsatz von dem kunstvollen Spiel mit den Zeichen, das den Betrachter „von scheinbar zielführenden Pfaden der Vernunft auf die Abwege der Phantasie verführt“. „Ein ähnliches Spiel treiben auch Pit Kroke und Heike Weber“, so der künstlerische Leiter der Stiftung Martin Henatsch. Der Anstoß für die Schau, die sich vom Park über die Villa Wachholz bis in den Skulpturenhof und die Gerisch-Galerie erstreckt, war vergleichsweise pragmatisch. Schon vor geraumer Zeit hatte Herbert Gerisch Tiko erworben, eine stählerne Großskulptur von Pit Kroke, die entfernt an eine gigantische Büroklammer erinnert und ihren langjährigen Platz vor dem New Yorker Queens Museum of Art räumen musste. Jetzt überwölbt Tiko wie ein nicht ganz perfekter Torbogen einen Weg im Park an der Schwale. „Wir wollten eine Ausstellung, in der die Position Krokes durch eine zweite kontrastiert wird“, so Henatsch. Mit Heike Weber hat er eine Künstlerin gefunden, deren im wahrsten Sinne des Wortes „abwegige“ Lineaturen in einer scheinbarer Ordnung beginnen und in einem surrealen Taumel enden.

Pit Kroke, Jahrgang 1940, spielt mit dem Spannungsverhältnis zwischen Funktionalität und kunstvoller Irritation. Als ausgebildeter Architekt, der seit 1981 ausschließlich künstlerisch arbeitet, bedient er sich bei der klaren Formensprache der Architektur, die er durch einen halsbrecherischen Umgang mit der Ordnung ad absurdum führt. Was auf den ersten Blick klar konstruiert erscheint, offenbart bei näherem Hinsehen seine Disfunktionalität und macht den Weg frei für eigene Assoziationen. Um eine Wechselwirkung von Ordnung und Phantasie geht es auch bei Heike Weber. Die 47-Jährige will den Betrachter körperlich in ihre Bilder einbinden, indem sie Schwebezustände herstellt, die den Raum entgrenzen. Mit einer Bodenzeichnung im Foyer der Villa Wachholtz, die wie Schallwellen eines Echolotes architektonische Besonderheiten der Raumes „reflektieren“, löst sie festgefügte Strukturen auf und entzieht dem Betrachter buchstäblich den Boden unter den Füßen.

Noch irritierender ist eine utopische Landschaft aus wellenartigen Wirbeln und Linien, die über Boden und Wände eines Raumes im Obergeschoss schwappen. Hier die Orientierung zu verlieren, ist ein reines Vergnügen.

Gerisch-Stiftung, Brachenfelder Str. 69, Neumünster. Eröffnung Sonnabend, 16 Uhr. Bis 21. Feb. Mi-So 11-18 Uhr. Künstlerführung So, 25. Okt., 12 Uhr, Künstlergespräch am So, 22. Nov., 12 Uhr. Infos: www.gerisch-stiftung.de

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