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00:00 06.08.2016
Von Ruth Bender
Jolanta Sutowicz und Jens Raschke mit den Programmheften der letzten Jahre. Quelle: Foto: Björn Schaller
Kiel

Auch die zehnte Ausgabe des Monodrama Festivals Thespis, das die in Kiel lebende Schauspielerin 1999 ins Leben gerufen hat, ist ein produktiver Kraftakt. Den Sutowicz seither mit viel zu kleinem Geld und einem großen Team engagierter Helfer immer wieder wuppt. Und das der Stadt Kiel ein Alleinstellungsmerkmal beschert – denn auch, wenn weltweit einige Monodrama-Festivals stattfinden und der Kieler Festivalgast Omar Sangare nach seinem Besuch in Kiel ein New Yorker Pendant gründete, ist es bundesweit das einzige Festival für Bühneneinzelkämpfer geblieben.

 „Das Programm 2016 steht“, sagt sie nun und sprudelt gleich los. Philipp Hochmair ist dabei, Theaterstar an der Wiener Burg und am Thalia Theater Hamburg, im Fernsehen fester Bestandteil der Dienstagsfrauen und eigentlich schon seit Jahren für Thespis in der Warteschleife. Mal stand die Spielzeit im Weg, mal die Rechte. Jetzt zeigt er, unterstützt von den Musikern Jörg Schittkowski und Tobias Herzz Hallbauer, sein Solo Jedermann Reloaded.

 19 Stücke von Armenien bis Irland und von Algerien bis Moldawien stehen vom 11. bis 18. November auf dem Jubiläumsprogramm, der größte Teil im Wettbewerb um verschiedene Preise, andere wie Kurt Egelhof aus Südafrika im Rahmenprogramm. Starke Frauenfiguren geben da den Ton an, so Jolanta Sutowicz. Oft mit politischem Hintergrund wie Pip Uttons Fragestunde als Maggie Thatcher oder Rebecca Vaughans I, Elizabeth. „Das Monodrama geht oft ins Biografische“, ergänzt Dramaturg Jens Raschke und entdeckt darin ganz unterschiedliche Ansätze. Der Russe Aleksandras Rubinovas zeigt seine Sicht auf Stalin, der Ire Donal O’Kelly blickt in Hairy Jaysus auf den Pazifisten und Sozialisten Frank Sheehy-Skeffington, der im Osteraufstand 1916 starb. Mit Puppen arbeitet die Algerierin Souad Janati, und die belgische Schauspielerin Kristien De Proost stellt sich zur Eröffnung im Schauspielhaus in ihrer 2015 beim Edinburgh Fringe Festival hochgelobten Performance On Track als eigenwilliges Exponat aus.

 „Das ist eine große Vielfalt der Sichtweisen und Formen“, sagen die Organisatoren, „und wir setzen bewusst Kontrapunkte.“ So kann Traditionelles auch mal ungebremst auf Avantgarde treffen.

 Das Jubiläum, zu dem eine kleine Festschrift erscheinen soll, ist aber auch Gelegenheit für den Blick zurück, auf Freundschften und Netzwerke, die über die Jahre entstanden sind. So sind Wegbegleiter dabei wie Birute Mar aus Litauen, die beim ersten Thespis Theaterfest mit ihrer Antigone den Hauptpreis gewann. Pip Utton aus England, der neben der aktuellen Produktion Maggie auch seinen Adolf noch einmal zeigt.

 Die japanische Tänzerin Nozomi Satomi, die 2006 Mit ihrem Tanzstück A Life in My Bag entzückte, zeigt eine erweiterte Version. Und aus Moldawien kommt Mihai Fusu – Sohn von Dumitru Fusu, der 1999 beim ersten Festival zu sehen war. „Eine reine Rückschau auf 17 Jahre ist das nicht geworden“, so Sutowicz und Raschke, „und das wollten wir auch – ein nach vorne gewandtes Programm.“

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