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Kultur „Beastie Boys Buch“ – Karriere in Schnappschüssen
Nachrichten Kultur „Beastie Boys Buch“ – Karriere in Schnappschüssen
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12:02 02.12.2018
Damals als es losging mit den großen Tagen: Die Beastie Boys 1987 (v. l.) Michael Diamond alias Mike D., Adam Yauch alias MCA und Adam Horovitz alias Ad Rock. Quelle: (c) Verlagsgruppe Random House GmbH, Muenchen
New York

Himmel, es ist schon wieder sechs Jahre her, dass Adam Yauch (alias MCA) tot ist, kaum zu glauben wie die Zeit vergeht. Mit seinem Tod (durch Ohrspeicheldrüsenkrebs) endete die lange, wilde und bis zu seiner Erkrankung erfreuliche Geschichte der Beastie Boys, einer der einfluss- und erfolgreichsten Hip-Hop-Bands der Welt.

Beastie Boys – Die ganze Vorgeschichte und Hauptgeschichte

Adam Horovitz (alias Ad Rock) und Michael Diamond (alias Mike D.) wollen jetzt noch mal daran erinnern, wie das alles war, wie die New Yorker vom Hardcore-Punk zum Rap kamen, wie sie ihre Schlagzeugerin Kate Schellenbach auf das Geheiß von Produzent Rick Rubin rauswarfen (Schande über ihr Haupt), weil „Beastie BOYS“ eben kein Girl vertrügen und so weiter.

Der Band ist dick, fett, ein Backstein. Die ganze Vorgeschichte und die ganze Hauptgeschichte jener Band wird ausgebreitet, die 1986 mit dem Album „License to Ill“ und der Single „Fight for Your Right (to Party)“ berühmt wurde. Aber nicht im drögen „Tag 43 im Studio, alle sind komplett am Boden“-Stil sondern in bunten, glitzernden Textschnipseln.

Das „Beastie Boys Buch“ ist wie ein Mixtape, nur mit Seiten. Verschwommene, scharfe, körnige Bilder, verpeilte, wilde, kernige Texte. Mal ein Comic zwischendrin, mal ein paar Lieblingsrezepte. Ein bisschen rotzlöffelig punkig und ein bisschen altersweise.

Im Mittelpunkt ist der eine „Boy“, der fehlt: Adam Yauch

Man erinnert sich jedenfalls nicht, dass es je witziger war, über Popmusik zu lesen. Ehrlich und immer wieder selbstironisch gehen die beiden Überlebenden sich selbst auf den Grund. Und immer ist da im Mittelpunkt der eine, der fehlt. Der immer überraschte, der unvorhersehbar war und unerschrocken. Der sich für Buddhismus und Tibets Freiheit interessierte und dafür ein jährliches Musikfestival mit Superstars lostrat.

Yauch war so ein Freund“, sagt der andere Adam der Beastie Boys allgemein, um dann zu spezifizieren. „Ein Freund, der die Sache ins Rollen bringt, der einen inspiriert, nach den Sternen zu greifen.“ Das ist dann auch schon so ziemlich das einzige Pathos in diesem Beastie-Klotz. Sie vermissen ihren Yauch, den sie immer salopp mit dem Nachnamen anreden. Und sie erzählen ihren Yauch in Anekdoten, auch wie ihm in Indien mal ein Affe den Schuh klaute.

1979 begannen sie als Punks, 1986 starteten die Beastie Boys als Hip-Hopper durch zu Weltruhm. Mit dem Tod von Adam Yauch endete ihre Laufbahn 2012 – die verbliebenen Mitglieder lösten die Band auf.

Horovitz erklärt lang und breit die höchst diffizile Kassettenkultur in den späten Siebzigerjahren und wie schwer es war im Prä-Baggytrouser-Zeitalter die C-60-Bänder in knallengen Hosen zu transportieren. Diamond erstellt Yauchs Mixtape, auf dem sich neben Punk und Run DMCs „Sucker M.C.‘s“ auch Bob Marley, Bob Dylan und das Weiße Album der Beatles finden. Und auf einem ausklappbaren Folder stellt Horovitz das musikalische Equipment der Beastie Boys bis hin zu einem ganz speziellen Percussioninstrument vor: „Wenn man auf die Seite des ausgetrockneten alten Kieferknochen (eines Esels) schlägt, rattern die Zähne noch tagelang weiter.“

Die geschasste Schellenbach fühlte sich verraten

Auch andere tragen bei. Der New Yorker Schriftsteller Luc Sante liefert mit „Beastie Revolution“ ein Panorama der Musikstadt New York im Jahre 1981, so atmosphärisch, dass man am liebsten hineinsteigen würde, um ein paar Monate mitzuleben in dieser verwegenen Zeit, als sich der Rap seinen Weg bahnt, das Sampling fremder Songs zum Stilmittel wird, Reggaeclubs entstehen, als Reagan Präsident geworden ist und Aids seine ersten Opfer findet. Sante schafft gleich zu Beginn des Buchs die plastische Kulisse für alles Folgende.

Und die geschasste Kate Schellenbach erzählt mitten im Buch in dem Essay „The Girl in the Band“, wie sie von ihren „Brüdern“ verraten wurde und wie die dann umgehend ihre alten Punkwurzeln verrieten. Und als man am Ende allen Spaßes und Ernstes nur noch einmal umblättern muss, um den dicken Schlusskarton dieses Kompendiums umzuklappen, gibt’s noch einen Stadtplan von New York City mit allen Beastie-Boys-Orten. Das Buch ist zu guter Letzt auch noch ein Pop-Reiseführer.

Geklärt wird im „Beastie Boys Buch“ auch die Geschichte des letzten Beastie-Boys-Albums „Hot Sauce Commitee Part Two“ von 2011. Mit irrem Aufwand hätten die Beastie Boys ihre Samples diesmal komplett selbst erstellt und sie dann frei erfundenen Bands und Künstlern zugewiesen. Aber niemand habe es gemerkt, denn keiner studiere mehr Plattencover, beklagt Horovitz. Und er schließt daraus: „Hochtrabende Konzepte sind für das Medium Popmusik völlig irrelevant.“

Adam Horovitz hätte gern die „Part One“-Festplatte zurück

Die Festplatte mit dem nie veröffentlichten „Part One“ hätten sie übrigens „auf dem Dach eines Güterwaggons irgendwo außerhalb von Missoula, Montana liegen“ lassen. Und so bittet Horovitz an anderer Stelle den potenziellen Finder, er möge sie doch zurückgeben. Die Stadt Missoula existiert, der Rest klingt eher nach Hobo-Dasein à la Woody Guthrie und könnte so erfunden sein wie die Bands zu den „Sauce“-Samples.

Was das Lesevergnügen nicht mindert. Seinen Schuh hat Yauch immerhin wiederbekommen. Der Affe hat ihn ihm schließlich an den Kopf geworfen.

Michael Diamond/Adam Horovitz: „Beastie Boys Buch“, Heyne-Hardcore, 572 Seiten, 40 Euro

Von Matthias Halbig / RND

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