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Kultur Der Ozean aus Glycerinseife
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00:00 17.08.2013
Von Maren Kruse
Bastler zwischen analog und digital: Bernd Hamann mit einem Modell und Fotografie. Quelle: ehr - Marco Ehrhardt
Kiel

Eines stellt der Kieler Künstler gleich zu Beginn klar. Er denke sich das alles nicht aus. „Der Plattenspieler in dem kleinen Modell ist mein alter Thorens, auf dem ich Tom Waits abgespielt habe. Und der graue hohe Schrank mit der Brandstelle stammt noch aus den Achtzigern, alte WG-Zeiten auf Gut Dobersdorf.“ Natürlich, meint Bend Hamann, auch andere Künstler würden Modelle bauen. Thomas Demand zum Beispiel, der Pressefotografien dreidimensional nachstellt. Aber wer sich in Hamanns Ausstellung im Pavillon umschaut, erkennt schnell, dass hier einer am Werk ist, der von sich erzählt. Das Modell ist die Basis für Fotografien, in denen der Künstler seinen Auftritt inszeniert wie auf einer Bühne. Und es ist seine Geschichte, seine Angst, seine Weltsicht, die Hamann in Fotoarbeiten, Objektkästen ironisch bricht.

 Dabei kommt er eigentlich von der Grafik her. Studierte bei Ekkehard Thieme, Fritz Bauer und Horst Skodlerrak an der Muthesius-Hochschule. Vor alllem die kleinteilige, spielerische Weltsicht Skodlerraks erkennt wieder, wer Hamanns frühe Aquarelle betrachtet. Aber auch wenn er heute ganz anders arbeitet und seine Welten aus Pappmaschee und am Mac mit Photoshop und Illustrator erschafft, ist es diese Liebe zum Mikrokosmos, die Hamann mit dem bewunderten Lehrer verbindet.

 Der langjährige „Brotberuf“ als Grafiker, zunächst bei der Firma Kloppenburg, nun bei Rossmann, hat bei Hamanns künstlerischer Produktion ab 2005 die Richtung zu digitalen Fotoarbeiten vorgegeben. Deshalb wird aber aus dem 53-Jährigen kein Nerd, kein Digital-Freak. „Das Stoffliche, das dort verloren geht, hole ich mir zurück“, sagt er mit Blick auf einen Print, wo sich Badende auf Luftmatratzen durch gischtgrüne Wellen kämpfen. Das gebastelte und eingefärbte Modell aus Glycerin-Gießseife steht gleich daneben. In gleißendem Sonnenlicht fotografiert, wird es zum Untergangs-Szenario und zur ökologischen Mahnung. Der titelgebende Garbage Patch spielt auf die Ansammlung von Plastikmüll im Pazifik an. Ein Feld, das in seiner Ausdehnung inzwischen der Fläche Westeuropas entspricht. Aber weil Hamann kein Moralist sein will, baut er sich selbstironisch in seine Kompositionen mit ein. „Schließlich benutze ich ja auch Duschgel“, sagt er. Aber die Billig-Klamottenläden um die Ecke, die ihre in Ostasien unter jämmerlichen Bedingungen produzierten T-Shirts für zwei Euro verkaufen, die animieren ihn dann doch wieder zu einem bissigen Guckkasten. Der wiederum ist Basis für eine Reihe von Fotoarbeiten mit dem Titel Reduziert. – Umtriebig ist Hamann, demnächst will er zuhause in der Kellerwerkstatt eine Tiefdruckpresse installieren. „Ich bin auf der Suche nach einem anderen Weg,“ sagt er. Auf seine kommenden Landeschau-Beiträge darf man gespannt sein.

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