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Kultur Die Folgen der Unsicherheit
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10:01 28.04.2018
Von Oliver Stenzel
Ferdinand von Schirach im Kieler Schauspielhaus. Quelle: Björn Schaller
Kiel

Dies hängt zum einen damit zusammen, dass sein um eine terroristische Flugzeug-Entführung kreisendes Stück Terror am Kieler Schauspielhaus, und beileibe nicht nur da, zu den aktuellen Erfolgsproduktionen gehört. Zum anderen zählt das unausgesprochene Fragezeichen, das von Schirach hinter den Hinweis aus dem Off setzt, zu den Stilmitteln, mit denen er auch in seinen Büchern die Regeln der Gesellschaft und das abweichende Verhalten des Einzelnen erforscht.

Der letzte Band der Trilogie

Gerade ist nach Verbrechen und Schuld mit Strafe der abschließende Band seiner Erzählungs-Trilogie erschienen, die die Prüfungsreihenfolge bei Gericht nachahmt. Aus ihr möchte er nach der Pause drei Kostproben gewähren. Schließlich sei der Abend ja als Lesung angekündigt worden. Erneut konfrontiert von Schirach seine zahlreich erschienenen Gäste mit einer kleinen Irritation, die diese mit verhaltenem Lachen quittieren.

Bekennt er danach, dass es vor allem „die Unsicherheit mit der Welt“ sei, die ihn als Schriftsteller antreibe, erscheint die Methode angemessen. Und der Schritt von diesem Credo zu Sokrates als einem der berühmtesten Verfechter einer möglichen daraus resultierenden Philosophie wird umso kleiner. Von Schirach stellt den griechischen Wahlverwandten in den Mittelpunkt der ersten Hälfte seines Auftritts, den er auf schwarzer Bühne im schwarzen Anzug vom schwarzen Stehpult aus bestreitet.

Eigentlich soll es vor allem um den Tod des Philosophen gehen, einen „Justizselbstmord“, auf den der Autor allerdings erst nach einem Streifzug durch dessen Leben zu sprechen kommt – zahlreiche geistvolle Brückenschläge zur Gegenwart inklusive. Das Leeren des Schierlingsbechers erscheint dabei schließlich als konsequente Vollendung eines Schaffens, vor dem sich der Autor durch seinen formbewussten Vortrag tief verbeugt.

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