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Kultur Beziehungen in Ton
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10:00 14.05.2016
Von Sabine Tholund
Kreatives Duo: Keiyona Constanze Stumpf und Ray Chen mit ihren Ton-Arbeiten in der Stadttöpferei. Quelle: ehr - Marco Ehrhardt
Neumünster

Der US-Amerikaner und die Münchnerin erarbeiten während ihres vierwöchigen Stipendiums im Fürstenhof neue Installationen und sehen einander dabei neugierig über die Schulter. „Die beiden sind sehr offen für das Projekt“, freut sich die künstlerische Leiterin Danijela Pivašević-Tenner. „Vom ersten Tag an sind sie konzentriert bei der Sache.“

 Ray Chen ist seit zwanzig Jahren künstlerisch tätig, zudem leitete er den Fachbereich Keramik an der Indiana State University und der University of Southern Maine, seit 2015 steht er der Kunstabteilung des New England Instiute of Education in Falmouth vor. „Wenn ich irgendwo hinreise, mache ich stets etwas Neues. Ich wiederhole mich nie“, so der Keramiker, der bereits in Amerika, Asien und Europa ausgestellt hat. Ein Thema, das er seit geraumer Zeit in Variationen bearbeitet, ist die Beziehung zwischen Mutter und Kind – aus sehr persönlichen Gründen: „Meine Mutter erkrankte an Parkinson. Ihr Körper wurde quasi zerstört“, sagt Chen. Merkwürdig in sich verdreht sind daher seine abstrakten Tonmodelle, die er in einen größeren Maßstab übertragen will. In der aktuellen Werkgruppe, die er teils auf Podesten, teils auch in einer Art Netz hängend präsentieren will, geht es um Gleichgewicht und um Berührungspunkte, aber auch um Leichtigkeit, die sich von der Schwere löst. In verschiedenfarbigem Ton gearbeitet, sind die Tonkörper als Paare konzipiert, die ohne einander keinen Halt finden. „Sie lehnen sich aneinander an und unterstützen einander wie in einer guten Mutter-Kind-Beziehung.“

 Die Urform des Kreises bildet den Ausgangspunkt der mehrteiligen Wandinstallationen von Keyiona Constanze Stumpf. Die 33-Jährige, die 2016 ihr Studium der Freien Kunst an der Akademie der Bildenden Künste in München abgeschlossen hat, liebt das künstlerische Experiment, arbeitet filigran und kleinteilig unter Verwendung verschiedenster Materialien. Unterschiedlich eingefärbten Ton formt sie zu organischen, vegetativen Objekten, die sie in ovalen Hüllen aus weißem Porzellan „pflanzt“ oder über die Wände wuchern lässt. „Wenn man sich an den Formprinzipien der Natur orientiert, geht es immer auch um innere Prozesse“, so die Münchnerin. Fragen von Ornamentik, Schönheit und Symmetrie spielen da ein Rolle, „aber auch das Moment des Bedrohlichen, wenn Wachstum außer Kontrolle gerät.“ Gezeigt werden die Arbeiten der beiden Stipendiaten zur 9. Neumünsteraner Museumsnacht am Sonnabend, 28. Mai.

 Stadttöpferei, Fürsthof 8 in Neumünster, 28. Mai. 18-24 Uhr

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