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Gute Musik statt Halligalli

Blitz-Kritik Gloria Gute Musik statt Halligalli

„Gehst du zu dem Typen mit der Brille, oder zu dem mit Bart hinterm Schreibtisch“, wurde der Verfasser dieser Zeilen nicht nur einmal gefragt, als es hieß, ein Konzert der Band Gloria mit Klaas Heufer-Umlauf stünde auf der Termin-Liste.

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Mit breiter Brust schieben Bass und Schlagzeug die von Sänger Klaas Heuer-Umlauf mit viel Elan und stimmlicher Präsens vorgetragenen Lieder nach vorne.

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Zunächst mal ist Gloria ein Gemeinschaftsprojekt von Heufer-Umlauf und dem ehemaligen „Wir sind Helden - Bassisten Mark Tavassol. Aber zugegeben: Natürlich kennt man den Moderator zu allererst durch den wunderbar irrwitzigen Quatsch, den er etwa in der Pro7- Sendung Circus Halligalli an der Seite seines Kollaborateurs Joko Winterscheidt verzapfte. Joko und Klaas wurden zur Marke des gehobenen Wahnsinns mit Methode. Doch immer schon und zusehends häufiger präsentierte sich Heufer-Umlauf auch als ernstzunehmender Musiker und Songschreiber.  Davon konnten sich die Zuhörer im gut besuchten MAX ein umfassendes Bild machen.      

Das Programm

Nachdem Support Deniz Jaspersen, Sänger und Gitarrist der Hamburger Formation Herrenmagazin, sein unaufgeregtes, aber durchaus nicht uninteressantes Akustik-Set beendet hatte, legten Goria mit dem Opener Immer noch da vehement los. Wie das balladeske Nie mehr oder das großartige Erste Wahl stammt der Song aus dem aktuellen dritten Album der Band, Da. Und im Vergleich zum Tonträger schmeißt die Combo live doch erheblich mehr Kohle ins Feuer. Mit breiter Brust schieben Bass und Schlagzeug die von Sänger Heuer-Umlauf mit viel Elan und stimmlicher Präsens vorgetragenen Lieder nach vorne, Gitarre und Keyboard flankieren das Ganze eindringlich und sehr groovy. Auch ältere Songs der 2013 gegründeten Formation standen auf dem Programm, etwa das tolle, forsch abgehende Geister oder die zu einer veritablen Rock-Nummer ausgestalteten Zugabe Wie sehr wir leuchten.

Das Publikum

Im Jargon der TV-Sender spräche man wohl von der „werberelevante Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen“. Doch das begeisterungsfähige und -willige Publikum kam nicht, um in die Röhre zu schauen, sondern feierte die Band und ihre Musik. Aber nicht nur die Songs wurden mit großem Beifall und Jubel quittiert. Auch Heufer-Umlaufs wohl dosierte, meistens sehr witzige Moderation, die aber auch nachdenklich bis wütende Kommentare gegen Rechts enthielt, fand ihren Weg direkt ins Ziel.

 Was in Erinnerung bleibt

Tolle Songs, vermutlich keine Hits, aber tolle Songs. Schön, das so etwas, authentisches  seelenvolles, unprätentiöses und unverstelltes seinen Weg in den Konzertsaal findet. Ob dieser Umstand der TV-Popularität Heufer-Umlaufs geschuldet ist, bleibt eine andere Frage und gehört hier auch eigentlich nicht her. Denn sein Image tut der Musik keinen Abbruch und im Übrigen wäre der Mann nicht der erste Künstler, in dessen Brust zwei Herzen schlagen.    

 Fazit

Kein Halligalli, sondern richtig gute Musik

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