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Philipp Boa mit ein bisschen Handbremse

Blitz-Kritik Philipp Boa mit ein bisschen Handbremse

Nein, ein Schwätzer ist Phillip Boa wahrlich nicht. Beim Konzert mit seiner Band The Voodooclub in der gut besuchten Pumpe machte Boa nicht viele Worte, bemühte sich eher verhalten um die Nähe zum Publikum, servierte aber eine Werkschau seines Schaffens, die sich wahrlich hören lassen konnte.

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Phillip Boa and The Voodooclub live in der Pumpe.

Quelle: Manuel Weber

Das Programm 

Kiel. Zunächst stellte die in Leipzig beheimatete Band „Atlas Bird“ ihre bemerkenswerte Debüt-Platte „Escapia“ vor. Ein süffiges Konvolut aus Art Pop, Indie- vielleicht auch Postrock. Die Coverart der Scheibe ist schon mal ein Ereignis. Dann kam der Headliner: „Phillip Boa and the Voodooclub play Singles & Songs from their Catalouge“ heißt es auf den Plakaten und dem ist eigentlich kaum etwas hinzuzufügen.

Die Musik

Anlässlich des 25. Geburtstages ihres erfolgreichsten Albums “ Boaphenia“ (1993) spielte die Band Highlights dieses zu Recht seit einem Vierteljahrhundert gefeierten Tonträgers wie etwa Get Terminated, Bohemian Life, Euphoria oder Hyperactive Cracker. Flankiert wurde das Ganze mit vielen weiteren Hits und Songs aus dem beachtlichen Repertoire des renommierten Songschreibers . Wie etwa eine der bekanntesten Singles, Container Love, gegen Ende des Gigs, das wunderbare Love On Sale, oder das zur veritablen, nicht unironischen Hardrock-Nummer gepimte Albert Is A Headbanger. Überhaupt entstaubt Boa die älteren Songs von allen damals zeitgenössischen Moden und präsentierte krachenden Rock 'n'Roll bei dem  die äußerst wirkungsvolle  Rhythmusgruppe aus Schlagzeug und Bass einen erheblichen Anteil hatte. Leider konnte man aufgrund des mittelmäßigen Sounds kaum etwas von den elaborierten Songtexten mitbekommen. Das ist schade, denn Phillip Boa ist nicht nur einer der besten Indie-Rock- Komponisten des Landes, sondern auch ein hervorragender Texter. Von diesen Fähigkeiten hätte man an diesem Abend rein akustisch sehr gerne mehr mitgenommen.  

                                                                                                                     
Das Publikum

Wollte sich berauschen lassen von den kunstvollen Songs, die trotz der modernen, rockigen Arrangements aber zu einem nicht unwesentlichen Teil eben in der Vergangenheit und damit in der Erinnerung der Zuhörer verankert sind. Aber mit Dauer des Konzerts und vor allem zum Finale wurde die Stimmung deutlich besser, brach sich Feierlaune Bahn, und so entließ Phillip Boa letztendlich seine Fans zufrieden in die Regennacht von Kiel.

Was in Erinnerung bleibt...

Die ziemlich spröde Bühnenpräsenz Boas, machte es schwierig, den Funken überfliegen zu lassen. Und so kam es, dass sich während des Konzerts Schlangen am Biertresen bildeten, was in der Pumpe normalerweise eher in den Pausen der Fall ist.

Fazit

Ein musikalisch anspruchsvoller Abend. Satte Arrangements, tolle Songs, ein bedeutender, aber showmäßig zurückhaltender Künstler und ein leider nur mittelmäßiger Sound. 

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