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Kultur Deutsch-Rock aus Südtirol
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12:21 27.04.2018
Von Kai-Peter Boysen
Sänger und Gitarrist Philipp Burger von Freiwild beim Konzert in der Sparkassen Arena. Quelle: Kai-Peter Boysen
Kiel

Der erste Eindruck

Philipp „Fips“ Burger, Sänger und Gitarrist des Quartetts, steht zum Opener „Rivalen und Rebellen“ auf einem Podest, das ihn langsam emporhebt, während er den martialischen Song als Eingangsstatement ins Mikro knurrt: „Unser Wort, als spitzes scharfes Schwert, biegt sich nicht, bricht nicht, nein es wehrt sich voll Aggression“ heißt es da, aber „Freunde“ und „Brüder“ sei man auch und begeistert stimmen die Fans in den Refrain ein.

Die Musik

Solide Rocksongs mit harmonischen Riffstrukturen in unterschiedlichen Tempi und unspektakulären Soli; im Prinzip heißt es warten auf die Hook, den ultimativen Part zum Mitgröhlen. Das ist bei Hunderten anderer Bands genauso. Das Beschwören des Zusammenhalts, das Kreieren einer kleinen Wohlfühlwelt, die Wertigkeit von Freundschaft in guten wie in schlechten Zeiten, all das kennt man von Deutschrock- oder Popbands, von Metal- und Mittelalterrockonzerten; Frei.Wild setzen da noch die patriotische Heimatverbundenheit drauf.

Das sei ihnen als Südtiroler gegönnt, jeder darf den Ort, an dem er lebt, toll finden, Zeilen wie „Kurz gesagt, ich dulde keine Kritik, An diesem heiligen Land, das unsre Heimat ist. Darum holt tief Luft und schreit es hinaus: Heimatland wir geben dich niemals auf“ klingen aber überhaupt nicht fröhlich ortsverbunden, sondern doof – oder eben bewusst provokant, denn Freiwild sind nun mal von der Musikindustrie auserkoren, den lukrativen freien Platz der einst Böhsen Onkelz einzunehmen. Neu sind bei Freiwild sanfte Akustiksongs wie „Herz schlägt Herz“ oder der Pro-Homosexualität-Song „Verbotene Liebe, verbotener Kuss“. So verboten ist diese Liebe zwar gar nicht, soviel sei verraten und bei Millionen auch selbstverständlich, doch bei Freiwild und vielleicht auch einigen Fans ist diese Tatsache wohl erst jetzt ins Bewusstsein gerückt.

Das Publikum

Freundlich, feierbereit, überwiegend, aber beileibe nicht ausschließlich männlich. Das Durchschnittsalter liegt ungefähr bei Anfang dreißig. Man trägt solidarisch die Fanbekleidung mit Logo oder Parolen der Band, wie es bei anderen Konzerten auch üblich ist. Hie und da ist schon reichlich Gerstensaft geflossen, auch das erlebt man bei Veranstaltungen ähnlichen Kalibers und ist für viele Teil des Rock’n Roll-Vergnügens. Man singt besonders euphorisch mit bei Frei.Wild-Solidaritätssongs wie „Allein nach vorn“ oder dem abschließenden „Land der Vollidioten“.

Fazit / Was in Erinnerung bleibt

Vor dem Auftritt der zweiten Vorband Goitzsche Front aus Bitterfeld erklingt das Hildegard-Knef-Lied „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ und die ganze Halle singt mit. Ein beeindruckender Moment. „Für mich soll's rote Rosen regnen, mir sollten sämtliche Wunder begegnen. Das Glück sollte sich sanft verhalten, es soll mein Schicksal mit Liebe verwalten“ heißt es da und vielleicht kennzeichnet das die Sehnsucht derer, die solche Konzerte besuchen…

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