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Kultur Grandioses Doppelkonzert in Kiel
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15:06 29.09.2018
Von Thomas Richter
Zwei Chöre, eine Bühne - das war der Freitagabend am Wilhelmplatz in Kiel.  Quelle: Björn Schaller
Kiel

Der erste Eindruck

Ein exzellenter Abend, der wieder einmal unter Beweis stellte, was die allermeisten Musikliebhaber sowieso wissen: A-cappella-Musik ist zum Schwärmen, zum Schwelgen und mit der Zunge schnalzen.

Die Musik

Hello Music, seit 30 Jahren aus der A-cappella-Szene in Kiel nicht wegzudenken, konzertierten im besten Sinne Old School. Ohne jedwede instrumentale Begleitung begeisterte der Klangkörper, der zum ersten Mal unter seinem neuen Leiter Björn Mummert auftrat, mit Klassikern wie Moon River und  der Carpenters-Perle Close To You, dem titelgebenden achtziger Jahre Phil Collins-Heuler "In The Air Tonight" (samt legendärem Schlagzeug Break) oder Mummerts Pop-Folk Eigenkomposition Wrapped In Distance. Außerdem begab man sich mit einer herrlichen Fassung von Heinz Erhards "Hinter eines Baumes Rinde …" und Zitronenboom, einer ins plattdeutsche umgedichteten Version von Fools Gardens One-Hit Wonder "Lemon Tree", sehr trittsicher auf musik-humoristisches Terrain. Für viele war die lässig groovende Nummer Words der schwedische Band The Real Group sicher eine Entdeckung, während das ansteckend feurige mit vollem Elan gefeierte  lateinamerikanischen Finale Mas Que Nada für viele Fans des Chores ein guter, alter, extrem jung gebliebener und mehr als willkommener Bekannter war.  

Der Berliner Chor Klangwerk 306 brillierte mit aktueller Popmusik, wobei der 40-stimmige Chor aber weit über den Tellerrand einschlägiger Hitlisten-Kandidaten schaute. Das zeigten schon der starke Opener "Green Light" von der neuseeländischen Sängerin Lorde. Ebenso überzeugend und mit allerlei Gänsehaut-Momenten gesegnet waren "Bulletproof" der britischen Singer-Songwriterin La Roux oder Cluesos wunderschönes "Und sie träumt von Chicago". Im Mittelpunkt des Konzerts stand allerdings das 30 Song-Ausschnitte umfassende Medley "Madonna Mania", mit dem die Hauptstadt-Formation sogar einen viralen Hit landete. Unter der Leitung von Lili Sommerfeld und szenisch umgesetzt von Performance-Coach Anne Grabowski lieferte der Chor einen mitreißenden Gig, der Auge und Ohr fesselte. Visuell und akustisch verstärkt wurde das Bühnenprogramm allerdings durch wirkungsvolles Licht, acht Mikrophone, einigen vorproduzieren Rhythmen aus dem Keyboard und Piano-Begleitung (Sommerfeld).  

Das Publikum

Langjährige Fans der Lokalmatadoren und neugierige Liebhaber der A-cappella Musik in Freude vereint. Beifallsstürme und stehende Ovationen waren das Ergebnis. 

Was in Erinnerung bleibt

Beide Chöre boten eine aufregende Werkschau der verschiedenen Stilrichtungen von klassischer und aktueller populärer Musik. Die je nach Bedarf vollmundigen, witzigen, prickelnden oder spannungsreichen selbst geschriebenen Vokal-Arrangements verfehlten selten ihr Ziel. Sie legten sowohl den Kern der Original-Kompositionen frei, ließen die Werke durch die schiere Klangpracht, die Harmonie, Dynamik und Wärme des Satzgesangs aber in neuen eindringlichen Farben leuchten. 

Fazit

Klangvolles Treffen der Generationen mit zeitlosen Arrangements und Liedern, die in den meisten Fällen ohnehin für die Ewigkeit sind. 

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