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Meisterwerke auf sechs Saiten

Blitzkritik Joe Bonamassa Meisterwerke auf sechs Saiten

Joe Bonamassa gilt aktuell als der fähigste Blues-Gitarrist der Welt. Nach dem Konzert des US-Amerikaners und seiner formidablen Band dürfte sich an dieser Einschätzung bei keinem der 3000 Zuschauer in der Sparkassen-Arena in Kiel etwas geändert haben.

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Blues-Superstar Joe Bonamassa gastierte unter dem Motto „The Guitar Event Of The Year 2018“ in der Sparkassen-Arena in Kiel.

Quelle: Manuel Weber

Der erste Eindruck

Kiel. Punkt 20 Uhr stehen die Musiker auf der Bühne in der Sparkassen-Arena in Kiel und auf den Punkt sind auch alle präsent im ersten Song „King Bee Shakedown“, bei dessen Slide-Riff sich Joe Bonamassa das Handgelenk locker spielt.

Das Programm

Neues, Bewährtes und Coversongs aus Blues, Bluesrock und Boogie hält der Saitenkönig und Sänger auf dem funkelnden Tablett bereit. Beim zweiten Song, dem Groove-Rocker „Evil Mama“ begibt er sich zum ersten Mal an den Bühnenrand und schüttelt ein Solo aus dem Anzugärmel. Tempo ist da, in „Self Inflicted Wounds“ dominieren Feeling und Sustain das Solospiel.

Herausragend sind das harmonisch packend arrangierte „How Deep This River Runs“ mit gnadenvoll räudig-dreckigem Solo sowie „Slow Train“, das sich, von Bass-Barré unterfüttert, durch die zwölf Takte schnaubt, faucht und raucht und jeden Zuschauer mitnimmt. Joe Bonamassa glänzt, spielt viele Noten, wo es passt und lässt an anderer Stelle dem Klang Raum; kann es zudem auch ganz leise wie in „Breaking Up Somebody`s Home“ von Albert King.

Damit ein Stern so leuchten kann, bedarf es einer fantastischen Band aus Musikern wie Keyboarder Reese Wynans (u.a. Stevie Ray Vaughan), Trompeter Lee Thornburg (u.a. Supertramp, Chicago) oder Drummer Anton Fig (Bob Dylan, B.B. King, Peter Frampton, Kiss). Kein Wunder, dass dem Ensemble eine Grammy-Nominierung zuteil wurde.

Das Publikum

Der Altersdurchschnitt liegt zwischen Joe Bonamassa (40) und Anton Fig (66) und wie man hört, sind die Fans aus Dänemark, Schweden, Sachsen oder Niedersachsen angereist, um den Meister, zum Teil nicht das erste Mal, zu bewundern. Szenenapplaus, bewunderndes Kopfschütteln, stilles Genießen sind die Reaktionen auf das Bühnengeschehen bis Bonamassa zum Aufstehen animiert. Das geschieht prompt und viele sind blitzschnell am Bühnenrand, tanzen oder filmen zum Teil aus nächster Nähe die Saitenläufe der Meisterhand.

Was in Erinnerung bleibt

Es ist der letzte Gig der Tournee, da ist es üblich, den ein oder anderen Scherz zu machen, so setzt sich Anton Fig zwischendrin unbemerkt eine Brille mit sehr dicken Gläsern auf und bringt den Rest der Band zum Lachen. Joe Bonamassa, der als gelegentlicher Muffel bekannt ist, schnappt sich die Brille zur Zugabe „Hummingbird“ und spielt schmunzelnd weiter. Egal, er kann es auch mit geschlossenen Augen.

Fazit

Technik, Virtuosität, Feeling und Genialität in einer Person vereint, umgeben von hochbegabten Musikern; eine Band in solcher Verfassung sieht man nicht alle Tage.

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