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Kultur Michy Reincke: Authentisch im Metro Schloßhof
Nachrichten Kultur Michy Reincke: Authentisch im Metro Schloßhof
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15:25 03.12.2018
Von Thomas Richter
Michy Reincke (Mitte) gastierte am Sonntagabend mit seiner Band in Kiel.  Quelle: Björn Schaller
Kiel

Der erste Eindruck: Genussvoll zitiert Reincke die Hamburger Morgenpost, die seine neue Scheibe in ihrer Kritik als „Meisterwerk“ bezeichnete. Dabei zeichnet er die Buchstaben mit großer Geste in die Luft und behauptet in herrlich gespielter Bescheidenheit, „es ist schön, wenn andere aussprechen, was ich denke.“ Da ist sie wieder, diese Form der selbstbewussten Doppelbödigkeit. In seiner Musik und seinen Texten ist das Suchen des Witzes in der Wahrheit (oder andersherum) längst ein Markenzeichen. Ironie? Auf jeden Fall, aber nicht um jeden Preis. Womöglich zielt auch der ominöse Album-Name darauf ab. Tatsächlich ist die neue Scheibe überaus gelungen, im Verbund mit Klassikern und einer wie immer tollen Moderation begeisterte der Musiker, Poet, Arrangeur und Produzent seine Fans. 

Die Musik: Lustvoll-lässig eingegroovt wurde der Abend von der Hamburger Sängerin und Gitarristin Kiddo Kat. Ihr Prince-Cover Kiss hatte sich ebenso gewaschen wie Eigenkompositionen, die in bester Singer/Songwriter Tradition zwischen Funk, R n' B und Pop von der Liebe und dem Leben erzählen. Etwa You Need To Know, Drunk On Live oder Million Miles. Kaufempfehlung: Ihr Debüt-Album Piece Of Cake.

Michy Reinckes Debüt-Album liegt schon Jahrzehnte zurück. An Frische und Originalität mangelt es der aktuellen, mittlerweile 13.  Veröffentlichung, die Reincke selbst komponiert, arrangiert, getextet, produziert und eingespielt hat, allerdings in keiner Weise. Lola meint, Toben, Woher hast du diese Frau eigentlich genau entwickeln ordentlich Zugkraft und verfügen über die für Reincke- Songs typischen Ohrwurm-Qualitäten. Begleitet wird der Sänger von zwei exzellenten Musikern (Klavier und Gitarre). Es es aber schade, dass gerade im Uptempo-Bereich die Rhythmus-Sektion überwiegend aus der Konserve kommt. Im Vergleich zur lebhaften und ungekünstelten Live-Performance der drei Musiker wirken die Loops doch reichlich kühl.    

Inhaltlich ernster klingt es bei U-Boot Mädchen (über das Verschwinden einer alten Freundin) oder Frei von all dem (das von einem verloren gegangenen Werte-Kompass erzählt und daran erinnert, dass Freiheit auch immer die Freiheit des anderen meint). Natürlich durften auch die alten Hits, die zum Teil mit der Band Felix De Luxe entstanden, nicht fehlen. Taxi nach Paris oder Nächte übers Eis trieben das ohnehin hohe Stimmungsbarometer noch einige Stufen weiter. Als der frühe Knaller Valérie, Valérie das Finale des weit über dreistündigen Konzerts einleitete, und sich dafür Kiddo Kat zu den Herren auf der Bühne gesellte, gab's dann endgültig kein Halten mehr. Das Publikum stand, sang, klatschte und tanzte und war damit gerüstet für ein der letzten Zugaben des Abends: Move't eure Körper für mich. 

Das Publikum: „Ich mag Michys Publikum – sehr aufmerksame Leute, die die Musik nicht nur so nebenbei hören“, verriet Kiddo Kat jüngst der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. Dem ist eigentlich kaum etwas hinzuzufügen. Die Zuhörer zeigten sich in Bestform und skandierten nach drei Konzert-Stunden im Chor „Jetzt geht’s looos“. Respekt! 

Was in Erinnerung bleibt: Ein tolles Konzert, beste Stimmung und ein Künstler in Hochform. Entertainment, Humor, Tiefgang und große Musik hielten sich die Wage. Michy Reincke hat wieder ein authentisches, inhaltlich relevantes und musikalisch ausgesprochen unterhaltsames Album vorgelegt. Auch wenn den Titel keiner aussprechen kann.

Fazit: Pop, Rock, Liedermacher-Poesie, Sehnsuchtsmusik. Der Künstler passt in kein Raster. Er spielt in seiner eigenen Liga.

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