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Kultur Mike Singer im Herzen der „Mikinatoren“
Nachrichten Kultur Mike Singer im Herzen der „Mikinatoren“
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14:40 13.10.2018
Von Thomas Richter
Mike Singer sang am Freitagabend im Kieler Max.  Quelle: Michael Kaniecki
Kiel

Mike Singer ist zurzeit einer der am hellsten leuchtenden Sterne am Pop-Firmament der Generation U-20. Im gut besuchten Max offenbarte er nun viel von seiner Strahlkraft.  

Der erste Eindruck

Sprechchöre, Gesangschöre Leuchtröhren, Handylichter: Noch bevor das Objekt jugendlicher Hingabe die Bühne betrat, brodelte die Halle. Dann kommt der „deutsche Justin Bieber“ endlich und sieht trotz des armfüllenden Tattoos aus wie der nette Junge von nebenan. Das Kreischkonzert überschreitet die nächste Dezibel-Grenze und sollte das extrem hohe Level bis zum Ende halten. Und Musik gab's auch...

Das Programm

Allzu üppig ist das Œuvre mit dem Output von zwei Longplayern und einer EP natürlich nicht. Es reichte für ein Set von gut einer Stunde plus zwei Zugaben. Durch den frischen Einsatz der beiden ebenfalls in den sozialen Netzwerken munter agierenden Supports Brebo aus Luxemburg und dem englischen Duo Bars & Melody kam das Konzert dann aber doch auf eine anständige Spieldauer.

Titelgerecht bildete das aktuelle Album Deja Vu den Mittelpunkt des Konzerts. Mit seiner wirkunsicheren „FL Gang“ genannten Band im schmalen Rücken servierte Singer die Songs, die alle hören wollten und kannten. Süffiger, charttauglicher Jugend-Pop US-amerikanischer Provenienz.

Auf dem Fundament vorprogrammierter-Synthie-Loops, flirrenden Keyboard-Sounds, gelegentlicher Drops, voluminösen Power-Drums und Trap-Perkussion turnten Nummern wie etwa Stage, Vergessen wie du heißt oder Singer über die Bühne. Herausstach der bereits auf T-Shirts am Merch-Stand prangende Motto-Song Save Digga mit Reggae Flair, einigen Dancehall Beats und Trompete, die im Soundteppich allerdings kaum zu vernehmen war. Auch Flashback überraschte mit einigen kernigen Gitarrenriffs. Aus den dargebotenen Songs des Debütalbums Karma bleibt Egal in Erinnerung, das mit ordentlich Wumms, ja beinahe wütend vorgetragen wurde, und dem Sänger ein ganz klein wenig Rock 'n' Roll Attitüde verlieh. Auch der sehnsüchtige Balladen-Pop Flieh mit mir landete da, wo er landen sollte. Im Herz der Fans.

Cover-Songs wie die neckisch arrangierte Sommerhit-Variante des italienischen Partisanenliedes Bella Ciao oder das am Ende mit einem Dankeschön an die Eltern verbundene 80er Jahre Leckerli Ohne Dich der Münchener Freiheit rundeten den Soundtrack zur Singer-Party ab.

Das Publikum 

Zieht man Eltern und andere Begleitpersonen ab, war die Halle in etwa zur Hälfte gefüllt mit überwiegend weiblichen Fans, die sich selber „Mikinatoren“ nennen. Die Teenies feierten wie Bolle, sangen lauthals mit, kreischten noch lauter, versicherten Singer immer wieder ihrer Liebe und schauten dabei auch auf die Bühne und nicht nur auf das Display ihres Handys, mit dem der Abend natürlich aufgezeichnet wurde. Aber das ist bei Singer ja ein wesentlicher Teil des Mittels zum Zweck.

Besonders glücklich hat es die mutige Veronika getroffen. Ganz allein und ohne musikalische Begleitung sang sie aufmerksam belauscht von ihrem Idol auf der Bühne den tollen Song tolle Bubbly von Colbie Caillat. Einige Zeilen des Textes las sie dabei vom Handy ab. Dennoch ein bemerkenswerter kleiner, cooler Auftritt.

Was in Erinnerung bleibt

Bei einem Mike Singer Konzert weiß man als objektiver Beobachter nicht so recht, woran man ist. Ist es die Musik, ist es der Personenkult, die Party oder fühlt es sich einfach so an, heute jung zu sein. Wahrscheinlich ist es von alldem etwas. Und die reiferen Semester haben auf dem Nachhauseweg Zeit, darüber nachzudenken.

Fazit

Mike Singer liefert. Er begeistert seine Fans, beschert ihnen einen wahrscheinlich für lange Zeit unvergesslichen Abend. Und allein das ist aller Ehren wert.

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