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Kultur Schöne Lieder voll Liebe und Schmerz
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11:36 20.07.2018
Tim Fischer und sein famoser Begleiter Thomas Dörschel begeisterten das Publikum. Quelle: Björn Schaller
Lutterbek

An das Publikum, Stammgäste und Urlauber, das dem  Programm um „die alten schönen Lieder“ mit spürbarer Hingabe gelauscht hat. „Das war großes Tennis“, freut sich Fischer und spricht nach drei Zugaben spiegelbildlich aus, was ihm so vehement jubelnd entgegengebracht wird: „Ich liebe Euch!“

Man glaubt es ihm. Vorgestern im Sylter Meerkabarett, gestern im ausverkauften „Saal“ des Lutterbeker, der als gefühltes Zimmertheater sofort in einen Salon verwandelt, als der verehrte Chansonnier mit seinem famosen Begleiter Thomas Dörschel die Bühne betritt.

Das Programm/Die Musik

Auf dem Programm „die alten schönen Lieder“ aus seinen Programmen „Na sowas“, „Lieder eines armen Mädchens“ und „Walzerdelirium“. Die „musikalische Rolle rückwärts“, die im Januar im Schauspielhaus Münster Premiere hatte, erweist sich als fulminanter Salto, mit dem Fischer wie gewohnt weltläufige Eleganz, augenzwinkernde Pointiertheit und schmerzvolle Elegie verbindet.

Der Wechsel zwischen frivolem Couplet, bissiger Satire à la Georg Kreisler und den Balladen zwischen Bert Brecht und Friedrich Hollaender wird mit circensischer Rasanz und Selbstironie geboten, steht aber doch auch spürbar unter dem Diktum „Liebe und Schmerz“.

Zwischen Lebensgier und Todessehnsucht durchleuchtet das Programm auch lichttechnisch buchstäblich alle Farben, und Dörschel und Fischer bringen auch und vor allem Bigottes und Abgründiges hör- und sichtbar zum Klingen.

Was in Erinnerung bleibt

So witzig Kreisler „Furz“ ist, der ins Parlament einzieht, so grandios Rainer Werner Fassbinders „Freitag im Hotel“, bei dem Fischer („Kinder, das ekelt mich an...und das nennt sich Mann...“) auf dem Flügel liegt, so vermeintlich niedlich Hollaenders Berliner Gören, deren vergeblichen Sehnsüchten er eine hochgestellte Stimme gibt, so totkomisch die Parodie auf die Capri-Fischer, deren flinke Beute Tim Fischer mit scheinheilig-obszöner Geste andeutet, und das beglückte Publikum zum Mitsingen bringt, so nachhaltig bleibt doch der Eindruck von Tiefe und Ernst.

Fazit

Tim Fischer ist absolut großartig. Ein verlässlich mit immer neuen Facetten brillierender Künstler von internationalem Format, dessen Wandlungsfähigkeit auch langjährige Fans immer wieder überrascht und begeistert.

Von Almut Behl

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