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06:26 04.10.2018
Von Thomas Bunjes
Die Band U2 mit Adam Clayton (von li.), Bassist, Paul David Hewson (Bono), Sänger, Larry Mullen junior, Schlagzeuger und David Howell Evans (The Edge), Gitarrist, tritt in der Barclaycard-Arena auf.  Quelle: Daniel Bockwoldt/dpa
Hamburg

Quer durch die Halle zieht sich etwas, das wie ein riesiger schmaler Käfig aussieht. In der einen Kurve gibt’s eine größere Bühne, in der anderen eine kleinere.

Der erste Eindruck

Als es losgeht, erscheint auf dem Käfig eine Videoprojektion, musikalisch untermalt vom U2-Song „Zooropa“. Erst ein Gegrissel wie früher, wenn die Röhrenglotze keinen Empfang hatte, dann flimmert und wabert etwas, was wie der Querschnitt durch die Hirnhälften wirkt, und dann kommen Luftaufnahmen von zerbombten Großstädten, darunter Köln 1945, Paris 1944, Kopenhagen 1943, auch Hamburg 1946.

Eine Stimme spricht, mahnend, sagt irgendwann „Dictators die“ und die Projektion zeigt Assad, Kim Jong-un und Putin. Charlie Chaplin in seiner Rolle als  „der große Diktator“ Anton Hynkel ist im Bild und ruft: „You, the people, have the power!“

Dann erscheinen Bono, The Edge, Adam Clayton und Larry Mullen als Schattenrisse auf der Projektionsfläche, Bono sagt aus dem Off auf Deutsch: „Auf geht’s, Hamburg!“ Und endlich spielt die Band.

Das Programm

Trotz des Feiertags ist es kein „very best of“ von U2, die seit 1985 nicht in Hamburg gespielt haben (damals im CCH). Kein „Sunday, Bloody Sunday“, kein „Where The Streets Have No Name“ und kein „Still Haven’t Found What I’m Looking For“. Die Band startet mit dem starken "The Blackout” vom aktuellen Album, von dem die irische Band noch ein paar Songs spielt.

„Zoo Station“ erlebt eine Tour-Premiere, außerdem stehen unter anderem „Beautiful Day“, „Who’s Gonna Ride Your Wild Horses“, „Elevation“, „Vertigo“, „Even Better Than The Real Thing“, “New Year’s Day” und in der Zugabe dann das vom Publikum intensive mitgesungene “One” auf der Hamburg-Setlist. Es war das erste von zwei ausverkauften Konzerten in der Barclaycard-Arena.

Das Publikum

Steht, bis auf wenige Ausnahmen, oben auf den Rängen vom ersten Song die vollen zwei Stunden, unten im Parkett ja sowieso. Weiß manchmal gar nicht, ob es die Videoeinblendungen verfolgen oder die Band auf der Bühne betrachten soll. Singt mit, klatscht mit im Takt und lässt sich von einem übrigens gesanglich auch in den Höhen komplett stabilen Bono, dem jüngste Probleme mit seiner Stimme zu keiner Zeit anzumerken sind, immer wieder zum Mitmachen animieren lässt.

Was in Erinnerung bleibt

Etliches, zumeist Bono geschuldet. Bonos Einblicke in die kontroverse Zeit 1991 im Hansa-Studio in Berlin, als sie dort nach dem Mauerfall recht zerstritten ihr Album „Achtung, Baby!“ aufgenommen hatten. Wie Bono sich vor dem Song „Acrobat“ auf der Projektionsfläche durch eine Überblendung in eine Mischung aus Teufel und The Joker verwandelt.

Und wie er gegen Ende vorn aus dem Parkett ein kleines Plakat entgegennimmt und als Gegengeschenk seine Brille hinunterwirft.

Fazit

Eine gigantische Show. Beeindruckend. Aber vielleicht braucht es die gar nicht. Denn am stärksten waren U2 in Hamburg, als sie eng beieinander auf der kleinen Bühne einfach eine enorm tight und druckvoll spielende Rockband waren.

Die Band U2 mit Adam Clayton (von li.), Bassist, Paul David Hewson (Bono), Sänger, Larry Mullen junior, Schlagzeuger und David Howell Evans (The Edge), Gitarrist, tritt in der Barclaycard-Arena auf.
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