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Kultur Eine Tradition, die es zu pflegen gilt
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13:24 06.12.2018
Von Thomas Richter
So schön war es bei Maybebop im Kieler Schloss. Quelle: Björn Schaller
Kiel

Der erste Eindruck

Unter dem Titel „Für Euch“  zeigte die großartige C-Capella-Formation, warum sie auf den weidlich beackerten Feldern mehrstimmiger Vokalmusik seit zwei Jahrzehnten einen besonderes Fleckchen einnimmt. Mit einer gewissen Erhabenheit, in dichten Harmonien und sorgfältig gebauten Sätzen zelebrieren sie altehrwürdige Weihnachtslieder. Die deutschsprachigen Eigenkompositionen dagegen strotzen nur so von Witz und Originalität und begeistern mit einem geradezu artistischen Beatboxing. Zitate aus verschiedenartigen Musikstilen und -richtungen sowie treffende Coverversionen bekannter Songs aus dem Rock-Pop-Bereich komplettieren diesen aromatisch duftenden Weihnachtspunsch mit Schuss.

Die Musik

Ganz intim beginnt der Abend.  Zu Wir sagen euch an den lieben Advent, einem kirchlichen Lied aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, betreten Jan Bürger (Countertenor), Lukas Teske (Tenor und Vocal Percussion), Oliver Gieß (Bariton) und Christoph Hiller (Bass) – als Vertretung von Sebastian Schröder -  einzeln jeweils mit einer Kerze in der Hand die dunkle Bühne. Strophe für Strophe komplettieren sich die vier Stimmen und bilden am Ende einen wunderschönen Satz. Ein geschmackvoller Auftakt, ohne doppelten Boden. Der wird dann kurze Zeit später eingezogen, etwa beim komödiantisch groovenden Geburtstag bei Gotts,  dem orientalisch  überkandidelten im „voll korrekten“  Türkenslang zum Besten gegebenen Gummibaum, dem funkigen Schenken oder dem herrlichen „Novelty Song“ Adventskalender im September.  Ebenso schraubten ein gerapptes Morgen Kinder wir's was geben, Mary's Boy Child als Reggae und das Hitparaden-Medley Flashback 2018  ordentlich am Spaßfaktor.  Zum Glück war dieser Spaß aber nicht grenzenlos. Denn tolle Versionen von Klassikern (Let It Snow, Santa Claus Is Coming To Town) und betörend gesungenes traditionelles Liedgut (Ich steh an deiner Krippen hier, Es kommt ein Schiff geladen) gaben den Abend Struktur und eine wohl dosierte Feierlichkeit. Als letzte Zugabe erklang First Noel, wobei die Sänger ihre Mikros beiseite legten. Ein inniger Moment, der einen geglückten Bogen zum Konzertbeginn schlug. Gleichwohl zeigte diese „nackte“ Interpretation auch, wie gut der Klang im Saal ausgesteuert war.  Wenn  am Pult der Effekt-Regler geschoben wurde, dann behutsam aber mit großer Wirkung.  Auf der Bühne zeichnete sich so ein sattes, tiefes, gleichwohl warmes, farbenreiches und differenziertes Klangbild. Ein Sound zum drin Baden.  

Das Publikum

War in bester Stimmung, bedankte sich mit stehenden Ovationen und begleitete die Band klatschend, singend zuweilen gar springend. In diesem Fall hatte das Auditorium gar einen eigenen Star. Alina hat sich die lobenswerte Gepflogenheit von Maybebop zunutze gemacht,  ihren Fans einen Gastauftritt in der Show zu ermöglichen. Also hat sich Alina via Homepage für einen Song beworben, und performte nun als Gast gemeinsam mit der Band auf der großen Bühne das kleine Meisterwerk der „Real Group“ I Only Want The World For Christmas. Der Auftritt war einer der absoluten Höhepunkte des Abends.

Was in Erinnerung bleibt

Stimmen, Stimmung, Arrangements, Harmonien, Liederauswahl und Unterhaltungswert waren wie all die Jahre auch dieses Mal wieder vom Feinsten.

Fazit

Maybebop-Weihnachtskonzerte  sind eine Tradition, die es zu pflegen gilt. Und, ach ja, die Jungs klingen auch im Sommer gut.

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