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Kultur Weg vom Wohlklang
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18:25 11.02.2019
Von Ruth Bender
Unterwelt heute: Macheath (Michael Fuchs, 2.v.li.) und Polly (Sibylle Lambrich) feiern im Kreise der Lieben ihre Hochzeit. Quelle: Jörg Landsberg
Lübeck

Die ganz große Show soll hier abgehen, das möchte uns der großartige Andreas Hutzel mit der Moritat von Mackie Messer weismachen. Aber dann sieht man im Hintergrund nicht etwa den coolen Glam-Gangster über die Bühne tappen, sondern einen, den Michael Fuchs überzeugend als Schlawiner malt: Macheath in Kapuzenshirt und Jogging-Hose; ein bisschen schmierig, aber auch ein bisschen streetsmart.

Vom Schmuddel-Soho ins Prekariat des 21. Jahrhunderts

Zu so einem passt es, dass er sein Reich in einer Tiefgarage hat: betongrau, kalt und neonbeleuchtet. So sieht Unterwelt heute aus. Obendrauf türmt Bühnenbildnerin Ramona Rauchbach ein paar Boxen zur gesichtslosen Bauklotz-Architektur - und schon ist die "Dreigroschenoper" vom kuschlig verschmuddelten Soho in den Prekariatszonen des 21. Jahrhunderts angekommen.

Regisseur Malte C. Lachmann hat offensichtlich überhaupt keine Lust, den Brecht-Klassiker in der Komfortzone des eigenen Mythos und nostalgischer Revue-Wohligkeit hängen zu lassen. Lieber schraubt er den V-Effekt schraubt zwischen Zirkus, Opernparodie und Seifenoper so lange weiter in die ausgestellte Übertreibung, bis auch der letzte Realismus-Verdacht ausgeräumt ist.

Mit zynischem Witz und Nachdenklichkeit

Dazu lassen die Musiker um Willy Daum den Soundtrack von Kurt Weill schräger als in jedem Jahrmarktsrhythmus scheppern, klingt alles so herrlich schief wie die Gefühle falsch sind. Das hat zynischen Witz und eine Nachdenklichkeit, die Brechts Kapitalismuskritik unüberhörbar Tribut zollt.

Irgendwann, als Mutter Peachum Mackie ans Messer geliefert hat, stehen sie da in ihrem Furor, als wären sie auf dem Weg zum Gelbwestenprotest: „Der Mensch lebt nur von Missetat ...“ Mag sein, dass die Absicht hier auch mal überdeutlich rüberkommt; aber allein der Versuch, die "Dreigroschenoper" aus dem Klischee zu holen, ist absolut sehenswert.

Theater Lübeck. 13., 21. Februar, 1. März, Kartentel. 0451 / 399 60, www.theater-luebeck.de

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