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Kultur “Your Name" und mehr DVD-Tipps
Nachrichten Kultur “Your Name" und mehr DVD-Tipps
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12:40 23.06.2018
Quelle: iStockphoto
Hannover


Your Name: Es herrscht die Atmosphäre des Einbruchs von Unheil ins Idyll. Die Nachrichten in Japan zeigen einen Kometen, der die Bahn der Erde so nahe streifen wird wie seit Hunderten von Jahren nicht mehr. Und die Lehrerin in der Schule erklärt den Schülern von Mitsuhas Klasse Einzelheiten über japanische Geisterstunden.

Mitsuha fühlt sich in ihrer kleinstädtischen Welt nicht aufgehoben, ihr ganzes Sein erscheint ihr wie ein Traum “als ob ich das Leben eines anderen Menschen leben würde“. Ähnlich ergeht es dem Jungen Taki aus Tokio. Es scheint, als würde er zuzeiten in Mitsuhas Körper erwachen und umgekehrt. Auf der Suche nach der Absenderin der Botschaften auf seinem Handy findet er nach weidlicher Suche eine tote zerstörte Stadt, die Nachrichten Mitsuhas auf seinem Smartphone kamen aus der Vergangenheit und so macht es sich Taki zur Aufgabe, seine Seelenbesucherin trotz der schnell schwindenden Erinnerungen aus der Zukunft heraus vor dem Tod zu retten.

Makoto Shinkais Animationsfilm “Your Name: Gestern, heute und für immer“ ist der erste Animé-Blockbuster, der außerhalb von Hayao Miyazakis Ghibli-Studios realisiert wurde - eine magische, traumhafte Coming-of-Age-Geschichte, die zu einer Geistergeschichte und dann zu einer märchenhaften Romanze über eine Liebe wird, die Raum und Zeit überwindet. Die gezeigte Katastrophe weckt dabei zwangsläufig Erinnerungen an die nukleare Havarie von Fukushima.

Your Name Quelle: Studiocanal

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri: Es geht im Leben nicht zu in der Welt wie in Krimis, die Polizei hat immer auch anderes zu tun als den einen drastischen Fall zu lösen. Und so versandet die Sache mit Angela Hayes‘ Ermordung, und ihre Mutter Mildred (Frances McDormand) nimmt die Sache in die eigene Hand, weil ihrer Meinung nach “die Polizei mehr damit beschäftigt (ist), Schwarze zu foltern als richtige Verbrechen aufzuklären“. So kauft sie die riesigen Werbeflächen von “Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“, auf denen sie den Polizeichef Willoughy (Woody Harrelson) in Riesenlettern mit der Frage “Immer noch keine Verhaftungen?“ konfrontiert.

Der irische Regisseur Martin McDonagh inszeniert den Kampf einer Mutter um Gerechtigkeit, und darum, dass nicht noch mehr Mädchen Opfer des unbekannten Mörders werden als lokalen Kleinkrieg, der urkomische und zutiefst tragische Momente hat. Mit der feinen Zeichnung der Charaktere, ihrem den Erwartungen unterlaufenden Verhalten vermeidet es McDonagh, seine Geschichte zum einseitigen Pamphlet zu machen.

Zwar ist es die Oscar-gekürte McDormand, die mit ihrer superb gespielten derbzärtlichen, rächenden Mutterfigur die meiste Aufmerksamkeit auf sich zieht, aber das gesamte Ensemble brilliert in diesem Drama, bei dem sich niemals die Kriminalhandlung in den Vordergrund schiebt. Und auch der Oscar für die beste männliche Nebenrolle ging zu Recht an Sam Rockwell, der seinen gewalttätigen Officer Dixon in seiner ganzen Zwiespältigkeit schillern lässt. Ein dichtes, bewegendes Porträt der amerikanischen Hinterwelt.

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri Quelle: Fox

The Commuter: Warum die mächtigen Strippenzieher, die kriminellen Allesseher und Alleswisser gerade diesen 60-jährigen Ex-Cop brauchen, um den für sie so wertvollen Verbrechenszeugen ausfindig zu machen, will sich dem geneigten Publikum nicht so ganz erschließen. Trotzdem gilt: Wir folgen Liam Neeson immer und überall hin, und was Jaume Collet-Serra mit ihm in “The Commuter“ anstellt, ist bei allen logischen Löchern der Handlung doch ungemein aufregend.

Neeson ist Michael MacCauley, irischstämmig, Herz am rechten Fleck, Familienmensch. Gerade noch hat er mit seiner Frau über die hohen Studiengebühren für den Sohn debattiert, da wird er nach zehn Jahren aus dem Job bei seiner Versicherungsgesellschaft gefeuert. Als der Ex-Polizist deprimiert mit der Hudson Line nach Hause fährt, macht ihm eine attraktive Fremde (Vera Farmiga) ein Angebot. Im Zug eine Person mit einer Tasche zu finden und die Tasche markieren, damit ein anderer sie liquidieren kann.

Die Uhr tickt, bis die Endstation erreicht ist, muss alles geregelt sein. MacCauley, der 100 000 versprochenen Dollars dringend bedürftig, schlägt ein, wird aber umgehend von Skrupeln befallen und geht dann im Zug seinen eigenen Weg, auch als die Hintermänner (Polizei involviert) seine Familie bedrohen. Ein bisschen aus zwei Hitchcock-Klassikern - “Eine Dame verschwindet“ und “Zwei Fremde im Zug“ wird hier mit ganz viel ansprechender vermischt.

Das Ergebnis lässt verzeihen, dass sich der Held bei seinen Recherchen manchmal recht dusselig anstellt, und dass er bei all den Vorfällen, in die er auf der Feierabendfahrt der New Yorker Nordlinie verwickelt ist, eigentlich längst aus dem Zug hätte entfernt werden müssen. Weiterhin gilt: Neeson ist cool, ist der einzige Actiondarsteller seines Alters, auf dessen neueste Abenteuer sich auch 16-Jährige freuen.

The Commuter Quelle: Studiocanal

Ein Fremder ohne Namen: Da reitet einer in Lago ein, der Stadt am See. Er hat zusammengekniffene Augen und den “snarl“ um die Lippen, der jedem sogleich sagt: “Es ist nicht gut Kirschen essen mit mir.“ Im Saloon wird er von drei Pistoleros verspottet, für deren Ableben er nur drei Sekunden und drei Kugeln benötigt. Das Städtchen ist nervös, es erwartet die Rückkehr von drei Banditen aus dem Gefängnis. Sie hatten einst die dortige illegale Goldmine zunächst bewacht, dann ausgeraubt und den Sheriff zu Tode gepeitscht.

Wie das Nest in Fred Zinnemans “High Noon“ (1952) ist auch der Ort von Clint Eastwoods „Ein Fremder ohne Namen“ (1973) die Heimstatt von Feiglingen. Sie suchen einen Stellvertreter, der für ihren Frieden und Wohlstand den Kopf hinhalten möge. Anders als Gary Cooper als frisch verheirateter Marshal Kane, steht der von Eastwood gespielte namenlose Protagonist zunächst in keinem (erkennbaren) Zusammenhang mit der Gemeinde. Und anders als Cooper ist er auch kein moralisches Aushängeschild – er vergewaltigt eine Frau und bringt die Bewohner bei seinen “Hilfeleistungen“ an den Rand von Ruin und Nervenzusammenbruch, um sie dann zum Showdown hin im Stich zu lassen.

So erscheint der “Fremde“ als Gegenfilm sowohl zu “High Noon“ (nobler Charakter – auf sich gestellt), Howard Hawks‘ “Rio Bravo“ (Helden der Gemeinde halten zusammen) und John Sturges‘ “Die glorreichen Sieben“ (Helden von außerhalb retten ein Dorf). Vom Italowestern geprägt, mit dem seine Karriere in Europa Fahrt aufnahm, präsentiert Eastwood in seiner zweiten Regiearbeit einen durch und durch verkommenen Westen, eine amoralische und doppelmoralische Welt.

Zudem – darauf lassen seltsame Erinnerungen des Antihelden schließen – ist sein Film zumindest in der US-Version ein Geisterwestern. Der Fremde, der sich am Ende geradezu im Dunst aufzulösen scheint, könnte der Geist des toten Sheriffs sein. In der deutschen Synchronversion verrät er dagegen am Ende seinen Namen und gibt sich – unlogisch - als Bruder des Getöteten aus. Für Eastwood-Fans lohnt der Kauf dieses Films, der seiner Entstehungszeit verhaftet ist und alles andere als ein Meisterwerk. In der restaurierten Fassung wirkt das Bild so rein und klar wie an dem Tag der Kinopremiere des Films.

Ein Fremder ohne Namen Quelle: Capelight

Maze Runner 3: Es geht zu Ende mit der dystopischen und überaus spektakulären Welt, in die uns die “Maze Runner“-Trilogie geführt hat. In “Die Auserwählten in der Todeszone“ gehen Thomas (Dylan O’Brien) und seine Gefährten daran, den am Ende des zweiten Teils entführten Minho (Ki Hong Lee) zu befreien. Er wurde in die festungsartige “Letzte Stadt“ verschleppt, wo eine obskure Organisation Jugendliche als Versuchskaninchen benutzt. Der Zweck soll das Mittel heiligen, ein Serum gegen das Brandvirus muss gefunden werden, das Menschen in zombieartige Wesen verwandelt.

Die Schauwerte stimmen, die Action ist Nervenkitzel, und sogar die pompöse Labyrinth-Kulisse darf wieder wohlige Schauer versenden. Eine Frage der Moral im nicht allzu inhaltsschweren Getöse wird auch noch gestellt: Ob man Einzelne opfern darf, wenn es darum geht, die Reste der Menschheit zu retten. Und da kann es durchaus passieren, dass mancher nüchterne Geist in den Zuschauerreihen eine vom Regisseur unerwünschte Position einnimmt.

Hätten wir ein tieferschürfendes Ende bevorzugt? Eher nicht, denn wann immer die Helden hier im Tempo innehalten und versuchen, die losen Fäden im Dialog zu bündeln, trägt dies dazu bei, den Film zum langweiligsten der Trilogie zu machen.

Maze Runner 3 Quelle: Fox

Greatest Showman: Hier wird die Geschichte des König Humbug genannten amerikanischen Schaustellers P. T. Barnum erzählt, einem Mann von zweifelhafter Moral, den Schmu und Missachtung von Mensch und Tier im 19. Jahrhundert zum Millionär machten, Das Leben des windigen Geschäftemachers wird unter Regie des Debütanten Michael Gracey zum Musical.

Hugh Jackman verkörpert Barnum in “Greatest Showman“ als ob seines niederen Standes gedemütigtes Kind und zähen Underdog mit dem Willen zum Aufstieg. Barnum heiratet eine großbürgerliche Prinzessin gegen den Widerstand ihrer Eltern, ermöglicht seiner Familie ein Leben in Wohlstand, bleibt standhaft gegenüber Verführungen, macht zwar auch ein paar Fehler, obsiegt aber am Ende.

Geliefert wird das Trugbild eines eigentlich dubiosen Mannes, eine filmische Heiligsprechung mit viel Glitzer, hübschen Songs und mitreißenden Tanznummern. Themen wie Ausgrenzung und Rassismus werden dabei angerissen, ohne dass Gracey ansatzweise tief schürft.

Wären nicht gegenwärtige Schauspieler wie Jackman, Michelle Williams, Zac Efron und Rebecca Ferguson, würde man meinen, dieses harmlose, familienfreundliche, glitzernde Musical voller Heldenlieder sei direkt aus dem Jahr 1953 durch ein kulturelles Wurmloch in unsere DVD-Player geworfen worden. Banal und bunt. Sehen, staunen und vergessen.

Greatest Showman Quelle: 20th Century Fox

It Comes at Night: Es ist passiert, das Ende der Zivilisation, das Ende aller Sicherheiten, aller Gemeinschaft. Als letzter, kleinster Verbund funktioniert nur noch die Familie – jedenfalls solange sich niemand infiziert. Der Großvater jedoch ist krank geworden, mit einer Schubkarre wird er zu einem Loch im Wald gefahren. Ein Kopfkissen, ein Kopfschuss – die Leiche wird verbrannt, Tochter Sarah (Carmen Ejogo), Enkel Travis (Kelvin Harrison) und Schwiegersohn Paul (Joel Edgerton) tragen dabei Gasmasken.

Der Tod ist überall in diesem Film, er zerstört sogar die Träume der Lebenden. Eines Nachts dringt ein Fremder (Christopher Abbott) in das Waldhaus ein. Er sucht Obdach und Schutz für seine Familie. Die Regeln werden verkündet. Vor allem darf das Haus nachts nicht verlassen werden, denn irgendetwasist da draußen, und “It Comes at Night“ – so heißt der dystopische Horror von Regisseur Trey Edward Shults.

Den interessiert die Ursache der Apokalypse nicht, er zeigt das Ansteigen des Misstrauens – ein klaustrophobisches Existieren an einem Ort, der entfernt an das Overlook-Hotel in Kubricks “Shining“ erinnert. Eine pulsierende, schwärende und trommelnde Filmmusik, langsame, lauernde Kamerafahrten verstärken die Bedrohung. Selbst die idyllischen Alltagsmomente verweisen auf die sich nahende Eskalation.

It Comes at Night Quelle: Universum

Der Mann aus dem Eis: Der Ötzi war eine archäologische Sensation. Einen mumifizierten Männerkörper fand man 1991 im schmelzenden Gletschereis der Ötztaler Alpen, der mit der Radiokohlenstoffmethode auf ein Alter von fast 5300 Jahren datiert wurde. Der Mann vom Tisenjoch hatte einen Schädelbruch und eine schwere Pfeilwunde in der Schulter, was Fantasien über sein dramatisches Sterben auslöste, die bis heute anhalten.

Jüngstes Resultat ist Felix Randaus spannender Film “Der Mann aus dem Eis“, der dem hier Kelab genannten Ötzi ein ganzes Leben als steinzeitlicher Jäger Sammler und Priester seines Stammes erfindet. Man wird Zeuge seines prähistorischen Daseins – Sex, Geburt, Tod, Bestattungsriten, Alltag. Als Kelab dann von einer mehrtägigen Jagd zurückkehrt, brennt sein Dorf, drei Nomaden haben alle Bewohner grausam getötet, auch seine Frau und seinen Sohn, und das Heiligtum des Stammes geraubt.

Der Mann, der bis auf sein jüngstes Kind, einen Säugling, alles verloren hat, begräbt seine Toten und macht sich dann an die Verfolgung der Mörder. Jürgen Vogel ist die perfekte Besetzung des bärtigen Urzeit-Desperados, der mit Baby und Ziegenbock seine Heimat verlässt und einem klassischen Westernshowdown entgegenzieht (Franco “Django“ Nero hat übrigens einen Gastauftritt). Einer Rache, die zunächst die Falschen trifft und Kelab ins Zweifeln bringt über seine Bestimmung.

Ein schweigsamer Film, die wenigen Worte werden auf Alt-Rätisch gesprochen, aber man kann stets erahnen, was sie bedeuten. Im schmalen Kanon filmischer Aufbereitungen der frühen Menschheitsgeschichte, der Anfänge von Zivilisation, ist Randaus Film von ähnlich hohem Niveau wie Annauds “Am Anfang war das Feuer“. Auch wenn die Ötzi-Forscher ob der Fiktion abwinken und “unwahr“, unwahr!“ schreien.

Der Mann aus dem Eis Quelle: Ascot Elite

Der Kurier: Sean Haggerty fliegt Drogen über die Grenze. Er genießt das Vertrauen des naturgemäß kurz fackelnden mexikanischen Drogenkartells, verrät aber zugleich den Übergabeort an die amerikanische Drogenbehörde. Ein Doppelagent wie der lustige Vogel Barry Seal, den Tom Cruise vor kurzem in jungenhafter Unbekümmertheit darstellte.

Letztere geht Sean in “Der Kurier“ völlig ab, obwohl wir uns noch in der Dekade befinden, in der Daniel Radcliffe zum letzten Mal Harry Potter spielte, den jungenhaftesten Jungen überhaupt. In diesem Film aber ist alles höchst finster und tragisch, Sean ist als Kokainflieger unterwegs, um seiner schwerkranken Frau eine kostspielige Krebsoperation zu ermöglichen - ein Krimineller der Liebe, der schon ob seines sanften Blicks ganz offenkundig nicht geeignet ist für das böse Spiel, auf das er sich eingelassen hat.

Das ist Regisseur Robert Gendlandt auch nicht, der immer mal wieder “gefährliche Musik“ aufbratzen lassen muss, um die Lage seines Helden zu verdeutlichen, der da in einer ziemlich unecht wirkenden Cessna durch eine unendlich scheinende nächtliche Wolkendecke fliegt. “NoTurning Back“ war ganz klar das Vorbild dieses Films, Tom Hardys 90minütiges Autofahrt-Solo. Zwar lässt Gendlandt alles schiefgehen, was einen Helden aufkratzen könnte – vom Wetter, über den unbekannten neuen Übergabeort bis zu Krisengesprächen mit Ehefrau und Versicherung – aber so richtig will der hier offerierte klaustrophobische Raum Zuschauers Herz nicht abschnüren.

Zumal der Regisseur seiner Idee auch nicht recht vertraut. Mit Flashbacks und Sprüngen in die Wohnung der Haggartys lockert er das Kammerspiel auf, aber die über seiner Ehefrau aufziehende mehrfache Bedrohung mindert die Intensität des Cockpitdramas. Die Spannung etwa von Anatole Litvaks Telefondrama “Du lebst noch 105 Minuten“, wird nie erreicht, auch weil das Drehbuch keine Dialogzeile bereithält, die den Ansatz von Originalität aufweist und es der Story an Plausibilität mangelt.

Daniel Radcliffe fliegt diesen Film allein, aber angeschnallt auf dem Pilotensitz bleiben ihm deutlich weniger gestalterische Möglichkeiten als selbst in Daniel Kwans und Daniel Scheinerts schön schrägem “Swiss Army Man“. Da spielte er eine von Gasen bewegte Wasserleiche.

Der Kurier Quelle: Universum

Titan: Wie so oft in der Science Fiction hat die Menschheit den Klimawandel nicht verhindern können, ist die Erde im Jahr 2048 nicht mehr der bewohnbarste Planet im All. Rick Janssen (“Avatar“-Star Sam Worthington) ist einer der ersten, der den Titan erkunden soll - den größten Saturnmond, dessen giftige Atmosphäre einige biologische Anpassungen von den Astronauten verlangt.

Anfangs ist er noch zuversichtlich, Frau (Taylor Schilling) und Kind (Noah Jupe) eines Tages nachholen zu können. Er freut sich an neuerworbenen Schwimmfähigkeiten und dass er seine Hand endlos in Eiswasser tunken kann dabei ohne zu frieren. Was er nicht ahnt ist, dass die Wissenschaftler um Martin Collingwood (Tom Wilkinson) ihn nach und nach in eine kaum noch als Mensch erkennbare Kreatur verwandeln, eine Entwicklung, die mit einer chemischen Lobotomie abgeschlossen werden soll. Der Familienzuzug ist also gar nicht vorgesehen.

Die Budget-bedingte Idee, auf eine kostspielige, toxische Titan-Umwelt zu verzichten, sondern sich die verbrecherischen Vorgänge auf Erden zu konzentrieren, wirft einige interessante Szenen ab. Insgesamt aber bleibt der Film von Lennart Ruff hinter den erzählerischen und optischen Erwartungen zurück.

Das Schlussbild ist dann zwar einigermaßen eindrucksvoll, läuft aber dem zuvor Gesehenen zuwider. In den USA startete dieser Streifen als Netflix-Original, im Rest der Welt hat man ihn ins Kino geschickt oder direkt auf DVD veröffentlicht. Netflix will sich offenbar den schon angegriffenen Ruf der No-fillers-only-killers-Streamingdienstes nicht weiter ruinieren.

Titan Quelle: Universum

Die Hexe: Es ist immer Vorsicht geboten, wenn auf der Hülle einer DVD allzu euphorisch gejubelt wird. “Atmosphärisch“, “brillant“ und “spannend“ werden vorne auf “Die Hexe“ gleich drei Publikationen zitiert (während auf dem Cover eine langhaarige Frau so “eckig“ aus der Badewanne steigt wie einst Samira in Gore Verbinkis “The Ring“ aus dem Brunnen). Auf der Rückseite haut man dann noch weitere Zitate raus: “,The Shining‘ trifft auf,Paranormal Activity‘“ und “Eiskalte Schauer-Garantie“.

Was man dann zu sehen bekommt, ist eiskalte Abzocke. Ein Paar, das in einem Haus aus dem 17. Jahrhundert eine Pension renovieren will, stellt fest, dass es dort nicht mit rechten Dingen zugeht. Auf Begeisterung folgt Ernüchterung. Als der junge Ehemann seine Frau für ein paar Tage allein in dem Gruselgebäude lassen muss, scharrt das jenseitige Gelichter mit den Krallen.

Das Haus ist verflucht, der Film von Michael und Shawn Rasmussen irgendwie auch. Gemessen an den Vorschusslorbeeren sieht er aus als habe ihn jemand in seiner Plastikschachtel in eine 100-Dollar-Produktion mit ziemlich untalentierten Schauspielern verzaubert.

Die Hexe Quelle: Tiberius Film

Von Matthias Halbig

Die Rolling Stones haben in Berlin ein fulminantes Konzert im ausverkauften Olympiastadion gegeben – frei von hemmender Routine, voll mit Lust und lasziven Anspielungen.

23.06.2018

Das Fahrrad will nicht mehr schalten. Natürlich jetzt, im Sommer, wenn über Wochen kein Reparaturtermin zu bekommen ist. Da heißt es Zähne zusammenbeißen: Eine Tour de Demütigung.

22.06.2018

Euphorisch und aufgekratzt wie gewohnt klingt "Kids", der Vorbote des kommenden Albums "Again" der Kieler Indierock-Band Leoniden. Seit Freitag ist das Video zu "Kids" online, und es zeigt das Quintett bei seiner Lieblingsbeschäftigung: eine Partycrowd zum Tanzen bringen.

Thomas Bunjes 22.06.2018