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19:13 02.09.2009
Lübeck

Schürmeyer eine Installation geschaffen, die bis zum 11. November in Lübeck an der ehemaligen Grenzübergangsstelle Schlutup sowie im rund 30 Kilometer entfernten Schlagsdorf in Mecklenburg zu sehen ist.

An beiden Orten befinden sich auch Dokumentationsstätten zur Geschichte der deutschen Teilung, die in den Köpfen nach zwei Jahrzehnten noch längst nicht überwunden scheint.

Mäntel, Jacken, Kleider, die ihr Menschen aus der Grenzregion nach intensiven persönlichen Gesprächen überlassen haben, hat die Künstlerin - geboren 1957 in Ostberlin, aufgewachsen in Malente und seit 2003 in Nordwestmecklenburg ansässig - in Beton oder Zement getaucht und an Eisengerüsten aufgehängt. In Lübeck handelt es sich um Westtextilien, darunter sind auf den Eisengerüsten Zitate in unterschiedlichen Handschriften zu lesen: „Da drüben, da war die Welt zu Ende“, „immer die Angst“ oder „Geht doch nach drüben, wenn es euch hier nicht passt!“ In Schlagsdorf, im ehemaligen DDR-Sperrgebiet, sprechen die Zitate eine andere Sprache. Hier steht etwa unter einem Beton-Kleid: „Wir konnten den See riechen, aber wir kamen nicht hin.“ Unter einer NVA-Arbeitsjacke ist zu lesen: „Es war gewollt, dass wir einander misstrauen.“

Erstarrung hat Renate U. Schürmeyer ihre Installation genannt. Kleidung, die der eigenen Haut gewöhnlich am nächsten ist und sie wärmen und schützen soll, ist erstarrt und strahlt jetzt Abwehr, Lähmung und Distanz aus. „Angst, Ungewissheit, Wegschauen lässt die Menschen in ihrem Denken unbeweglich werden“, sagt die Künstlerin.

Ursprünglich sollte Schürmeyers Arbeit nicht die einzige sein, die im 20. Jahr des Mauerfalls im Grenzgebiet realisiert wird. Sieben weitere Künstler aus Deutschland und den Niederlanden nahmen auf Einladung des Mecklenburgischen Künstlerhauses Schloss Plüschow vor einem Jahr an einem Projekttreffen „Grenzraum 09“ teil, und es liegen detaillierte Konzepte für weitere Arbeiten vor. Weil jedoch die Finanzierung nicht zustande kam, wurde das Projekt in „Grenzraum 09/10“ umbenannt und Schürmeyers Arbeit zum „Prolog“ erklärt. Geplant war die Installation zuerst auch nur auf mecklenburgischem Boden. Für die Künstlerin war jedoch bald klar, dass sie einen Teil in Lübeck-Schlutup realisieren wollte. „Je mehr Gespräche ich mit Menschen beiderseits der ehemaligen Grenze führte, desto bewusster wurde mir, dass sich der Grenzraum nicht nur auf der Ostseite befand.“ 20 Jahre nach dem Mauerfall wird in Lübeck-Schlutup vom 2. bis 4. Oktober übrigens erstmals offiziell gemeinsam mit der mecklenburgischen Nachbargemeinde Selmsdorf gefeiert.

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