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Kultur In der blauen Tiefe des Raums
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09:00 06.05.2016
Von Maren Kruse
Abtauchen ins Blau: David Moses schafft in seinen Bildern Raumillusionen. Quelle: ehr - Marco Ehrhardt
Kiel

„Riff, das steht für mich für etwas, das sich unter der Oberfläche versteckt“, sagt David Moses. Studiert hat er an der UdK in Berlin in der Malereiklasse der Schweizerin Valérie Favre. Johanna Beckmann, Vorsitzende der Hans Kock Stiftung, verfolgt seine Entwicklung schon seit einigen Jahren und stellt Moses nun in einer Einzelausstellung vor, die am Sonnabend eröffnet wird.

 Für Seekamp hat er neben atelierfrischen Arbeiten auch Radierungen von 2013 oder mit dem Bleistift überzeichnete Schwarz-Weiß-Fotografien aus dem vergangenen Jahr mitgebracht. Schwer in Worte zu fassen, was sich auf den großformatigen Ölbildern eigentlich ereignet. In delikaten Abstufungen von Grün- und Blautönen entwirft Moses einen Bildraum, der undurchdringliche Tiefe suggeriert und in dem sich der Blick verlieren könnte, wären da nicht helle Zentren oder Kulminationspunkte. Zonen, in denen Moses Lichterscheinungen auf die Leinwand bringt, die mal pastos aufgetragen werden und an anderer Stelle dagegen lasierend dünnflüssig durchscheinen. David Moses vergleicht das mit unterschiedlichen Aggregatzuständen, die sich nebeneinander auf der Leinwand ereignen. Dabei bleibt die Raumillusion auf diesen Bildern ausnahmslos unkonkret. Moses spricht deshalb auch von einem Fantasieraum, der sich dem Betrachter öffnet.

 Seine malerische Technik beschreibt der Künstler als prozesshaft. Nein, er kann vorher überhaupt nicht sagen, wie das Bild aussehen wird. Vielmehr versuche er während des Malvorgangs die Kontrolle abzugeben, einfach loszulassen. „Es ist eher so, als würde ich eine Arbeit begleiten“, sagt Moses, der aus einer Künstlerfamilie stammt. Seine Mutter ist Textilkünstlerin, der Vater Keramiker. David Moses betreut zudem den künstlerischen Nachlass seines Großvaters Heinz Manfred Moses, der nach Palästina auswanderte und den der Enkel nur durch dessen Werk kennengelernt hat.

 Sein Kibbuz ermöglichte Heinz Manfred Moses 1963/64 ein Stipendium in Amsterdam, das den Künstler auch in das geteilte Berlin führte. Ein Lebensgefühl, das er grafisch umsetzte. Auch David Moses zieht es in Berlin, wo er seit neun Jahren lebt, an Orte, die früher als wichtige Posten des Grenzsystems Bedeutung hatten. Wie den Schlesischen Busch in Alt-Treptow, den Berliner heute als Park und Freizeitraum schätzen. In einer Reihe von Bleistiftzeichnungen hat Moses die Dualität des Ortes in kräftigem Gestus eingefangen. Man muss diesen Hintergrund und die Fotografien, die er als Basis verwendet und unkenntlich gemacht hat, nicht kennen, um die Kraft dieser Blätter zu schätzen.

Hans Kock Stiftung, Seekamper Weg 10, Kiel-Schilksee. Eröffnung Sonnabend, 17 Uhr. Einführung Russi Klenner, Berlin. Bis 29. Mai. www.hans-kock-stiftung.de

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