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10:04 19.04.2018
„Ich gebe alle Echos zurück": Marius Müller-Westernhagen. Quelle: dpa
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Berlin

Nicht nur eine Preisverleihung ist ein politischer Akt, auch die Preisverweigerung. Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki lehnte 2008 den Fernsehpreis ab, um auf die Verflachung des Programms hinzuweisen. Dieser Tage geben immer mehr Musiker ihre Echo-Trophäe zurück, um gegen die Auszeichnung des Rap-Duos Kollegah und Farid Bang und ihre Songtexte mit Holocaust-Anspielungen zu protestieren. Damit stellen sie nebenbei auch die Ehre der deutschen Kulturelite wieder her.

Die erschien im Zuge jüngster Debatten in schlechtem Licht. Ob sie wie prominente Autoren im Gefolge von Uwe Tellkamp mit der Erklärung 2018 gegen Masseneinwanderung wetterten oder den neuen Intendanten der Berliner Volksbühne, Chris Dercon, durch beharrliche Anfeindung zum Rücktritt zwangen: Wenn Kulturschaffende sich in den vergangenen Wochen formierten, dann oft im Dienste einer Antihaltung. Das Wirgefühl speiste sich jeweils aus der Ahnung, zu kurz gekommen zu sein, ob als Bürger im Angesicht der Flüchtlingswelle oder als Nostalgiker einer Volksbühnentheaterkultur, die mit dem ehemaligen Intendanten Frank Castorf verknüpft ist. Dass sich ausgerechnet an einem überschätzten Gedicht an einer Berliner Hauswand eine Diskussion über Kunstfreiheit entzündete, ist trauriger Ausdruck für den Stand der Diskussionskultur.

Beim Echo ist jedoch ein Schulterschluss der anderen Art zu beobachten: Westernhagen, Igor Levit und Co. mahnen an, dass Werte wichtiger sind als der kommerzielle Erfolg. So stehen nun die Vergaberegeln für den Echo auf dem Prüfstand – und damit die Bewertungskriterien für das kulturelle Kapital unserer Gesellschaft. Dieses darf sich nicht allein an Verkaufszahlen bemessen. Das sollte eigentlich eine Binsenweisheit sein. Der Echo-Skandal macht es notwendig, daran zu erinnern.

Von Nina May

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