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Kultur Resonanzen der Welt
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15:27 13.07.2016
Von Dr. Christian Strehk
Hindemith-Preisträgerin 2016: Anna Clyne am Reinbeker Schloss. Quelle: Axel Nickolaus
Reinbek

Die 1980 geborene Britin Anna Clyne erhielt den mit 20000 Euro stolz dotierten Komponisten-Preis für ihren „jugendlichen Furor“ und ihren nirgends klangasketischen, sondern „sinnlichen“ Umgang mit der Kunstmusik, wie der Jury-Vorsitzende Andreas Eckhardt hervorhob. Der Schweizer ist Präsident jener Hindemith-Stiftung, die gemeinsam mit den vier Hamburger Stiftungen Koch, Busche, Trede und Wirth sowie Zuwendungen der Hansestadt Hamburg und erstmals auch des Landes Schleswig-Holstein das Preisgeld bereitstellen.

 Die NDR-Journalistin Margarete Zander ergänzte in ihrer Laudatio charakterisierende Stichworte wie „grenzenlose Klangfantasie“ und würdigte den Mut und die besondere Fähigkeit Clynes, in Collagen und mit multimedialen Techniken die „Resonanz der Welt“ einzufangen. Die in New York im Performance-Umfeld von den Bang on a can All Stars geprägte Komponistin ist inzwischen schon bei großen amerikanischen Orchestern und Dirigenten wie Esa-Pekka Salonen oder Riccardo Chailly gefragt. Ihr Violin-Solo Rest These Hands aus dem Zyklus The Violin war allerdings, obgleich wunderbar gespielt von Baiba Skride, kaum geeignet, diesen Ruf positiv zu bestätigen. Da begegnete lediglich eine ziemlich einfältig auf- und niederschnurrende, schwerst retroromantische Virtuosen-Etüde, der rezitierte Verse aus der Feder von Clynes verstorbener Mutter und ein Digitalvideo mit naiv animierten neosymbolistischen Zeichnungen, Elefant und Känguruh inklusive, auch keine hintergründige Substanz zu geben vermochten. Die Homepage der Künstlerin macht da die Preiswürdigkeit schon eher plausibel.

 Ein künstlerisch starker Abend wurde dennoch daraus. Denn Heftis Poème noctambule für Violine und Klavier fasziniert, zumal elektrisierend intensiv uraufgeführt von den Skride-Widmungsträgerinnen, mit quecksilbrig rasant gestreuten Klangereignissen im oft pedalisiert nachschauernden Klavier und einer Violinstimme, die sich aus reichen Schwebungen und gedämpften Randresonanzen heraus zu einem glühend emphatischen, immer höher strebenden Gesang verdichtet. So geht Neue Musik.

www.shmf.de

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