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Kultur Mit Respekt und Fitness zur Traumrolle
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07:00 17.08.2013
Von Christoph Munk
Vertrautes Terrain: Jesus Garcia kennt die Kieler Sommertheaterbühne bereits aus dem vergangenen Jahr. Quelle: Rainer Pregla
Kiel

„Sie müssen meinen Schrecken verstehen“, zeigt sich Garcia im Gespräch offen. Meine Stimme gehört noch ins weiche, bewegliche Spinto-Fach, aber der Manrico geht schon in Richtung Heldentenor“. Also sah sich der viel gefragte Amerikaner die Partitur ganz genau an, probierte und ließ sich schließlich auf das Wagnis ein. „Ich habe ja schon viel Belcanto gesungen und hatte den Eindruck, dass der Manrico doch zu mir passen könnte – zumal ich hier bei meinem Rollendebüt mit Mikrofon singen werde“.

 Selbst wenn Jesus Garcia inzwischen glaubt, die Partie auch ohne technische Unterstützung zu bewältigen, nähert er sich immer noch mit Respekt und Scheu den Anforderungen. „Aber ein Künstler ist immer auch ein Kämpfer und sollte sich neuen Herausforderungen stellen – allein schon, um sich selbst zu besiegen.“ Und die Figur gefällt ihm. Er sieht in ihr einen Mann, der genau das tut, was ein Mann zu tun hat. „Er muss keine Entwicklung durchmachen – abgesehen davon, dass er am Ende tot ist“, analysiert Garcia die Figur gewitzt. „Manrico fühlt sich als Zerrissener“. Hin- und hergezogen zwischen Leonora, der Geliebten, und Azucena, seiner Mutter. „Und Sie wissen, spanische Mütter sind Alphas.“

 Liebe, Rache, Betrug, Hoffnung, Mut – von diesen Emotionen sieht Garcia den Troubadour belebt. „Wenn es gelingt, solche Gefühle auf der Bühne direkt darzustellen, ist auch das Publikum ergriffen.“ Um die Präsenz zu entwickeln, habe ein Sänger fit zu sein. „Wie ein Athlet muss ich Körper und Stimme in Form halten“, stellt Garcia fest. Dann, so verspricht er, gelinge ihm auch das hohe C.

 Unter Kieler Bedingungen hat sich die Figur des Manrico während der Proben zu Garcias „Traumrolle“ entwickelt. „Hier sind die besten Voraussetzungen. Eine tolle Harmonie im Ensemble.“ Regisseur Daniel Karasek sei für alle Ideen offen, Georg Fritzsch gehe als Dirigent perfekt auf die Sänger ein. Und von den Kolleginnen ist der Tenor glatt begeistert. Die sardische Mezzosopranistin Cristina Melis, in Verona erprobt, hält er für die beste Azucena dieser Zeit. „Sie wirkt auf mich kraftvoll und mütterlich. Da fühlt man sich geborgen wie im richtigen Leben.“ Und die junge Serena Daolio, die in Kiel als Leonora debütiert, schätzt er wegen ihrer absoluten Präsenz und Präzision in Gesang und Darstellung.

 Erfahrung an vielen Häusern in Europa bringen drei Sänger mit, die in drei Aufführungen in den Hauptrollen alternieren. Der georgische Tenor George Oniani, fest in Bonn engagiert, kennt den Troubadour als seine Paraderolle. Die sardische Sopranistin Rossana Cardia debütierte schon 2010 als Leonora und hat als junge Sängerin zahlreiche Partien des italienischen Fachs im Repertoire. Der italienische Bariton Elia Fabbian, der im Wechsel mit Tomohiro Takada (Kiel) den Grafen Luna singt, sang den Baron Scarpia in der Kieler Tosca des letzten Sommers.

 Premiere von „Der Troubadour“: Sonnabend, 20 Uhr. Weitere Aufführungen bis 25. August. Kartentel. 0431-901901.

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