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Kultur Sternstunde der Gleichberechtigung?
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12:01 08.06.2018
Könnte bald das Binnen-I empfehlen: Die deutsche Rechtschreibung. Quelle: doering
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Berlin

Liebe LeserInnen, oder sollte es heißen „Leser_innen“, „Lesende“ oder gar „Leser*innen“? Im Dienste der politischen Korrektheit fällt bisweilen schon mal der elegante Stil durch den Gendergap.

Allerdings sind Binnen-I und Gendersternchen vergleichsweise harmlose Stachel im Fleisch einer Sprache, in der das Patriarchat festgeschrieben ist. Denn im sogenannten generischen Maskulinum sind Frauen im Deutschen automatisch mitgemeint. Was Karl Kraus 1912 schrieb, gilt bis heute: „Die Sprache hält’s mit dem Mann. Sie ist noch immer nicht emanzipiert.“

Nun mischt sich der Rat für deutsche Rechtschreibung ein. Wenn er an diesem Freitag in Wien tagt, wird es erstmals eine AG Geschlechtergerechtes Schreiben geben. Würden die 41 Mitglieder_Innen ein verbindliches Regelwerk veröffentlichen, hätte das die Tragweite der Rechtschreibreform von 1996. Allerdings ist eher mit einem Empfehlungskatalog zu rechnen, der für jederfrau Varianten zur Vermeidung der männlichen Form auflistet. Die maßgebliche Institution für die amtliche Rechtschreibung könnte so dazu beitragen, dass nicht länger über Formulierungsspielchen von Gendermainstreamer*innen gespottet wird.

Übersichtlicher wird die Rechtschreibung dadurch wohl nicht – im Gegenteil. Das Gendersternchen könnte in den Duden einziehen: Bei Wendungen wie „Leser*innen“ werden auch Menschen einbezogen, die sich nicht als Mann oder Frau begreifen. Das Sternchen ist ein in der amtlichen Rechtschreibung bislang nicht vorgesehenes Sonderzeichen. Justizministerin Katarina Barley (SPD) – bei einer Einzelfrau ist kein Binnen-I nötig – hat sich bereits für eine Regeländerung ausgesprochen. Eine Sternstunde der Gleichberechtigung?

Jüngst ist eine Sparkassenkundin vor dem Bundesgerichtshof gescheitert, weil sie in Vordrucken als „Kundin“ angesprochen werden wollte. In der Urteilsbegründung hieß es vielsagend, die männliche Form könne „geschlechtsblind“ verwendet werden. Ob uns ausgerechnet der Rechtschreibrat die Augen öffnet?

Von Nina May/RND

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