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18:06 14.11.2008
Kiel

Kiel - Seit 1950 wird an der Förde alle zwei Jahre der Kunstpreis des Landes Schleswig-Holstein verliehen. Der Preis würdigt das Gesamtwerk eines Künstlers in Anerkennung hervorragender Leistungen oder fördert junge Künstler, deren Entwicklung eine besondere Unterstützung wünschenswert erscheinen lässt. Am Montag geht der mit 20000 Euro dotierte Preis an den Dithmarscher Tenor Klaus Florian Vogt, der unter anderem als Walther in der von Katharina Wagner inszenierten Bayreuther Festspielinszenierung der Meistersinger von Nürnberg Furore machte. Vogt wurde in Heide/Holstein geboren, studierte zunächst Horn an den Musikhochschulen in Hannover und Hamburg und war neun Jahre als Hornist im Philharmonischen Staatsorchester Hamburg engagiert. Währenddessen studierte er Gesang an der Musikhochschule in Lübeck und erhielt 1997 sein erstes Engagement in Flensburg. Von 1998 bis 2003 war er Ensemblemitglied der Dresdner Semperoper. Im Mai 2006 erfolgte sein Amerika-Debüt als Wagners Lohengrin an der Metropolitan Opera New York unter der Leitung von James Levine.Hat man Ihnen die Musik bereits in die Wiege gelegt oder haben Sie sich Ihre musikalische Sozialisation hart erarbeitet?Mein Vater hat mich und meine Geschwister früh an die Musik herangeführt. Er hat sich sein Studium mit Tanzmusik finanziert und sich dann später auf Kammermusik verlegt. Irgendwann habe ich dann ein Horn zu Weihnachten geschenkt bekommen Übrigens: Als ich an der Musikhochschule in Hamburg studiert habe, hatte ich gleichzeitig eine Praktikantenstelle als Hornist in Kiel, wo ich zwei Spielzeiten alle Dienste mitgemacht habe. Das war eine unheimlich gute Vorbereitung auf den späteren Orchester-Job. Von dort aus habe ich Probespiele gemacht und bin beim Philharmonischen Staatsorchester Hamburg gelandet.Wie fiel die Entscheidung aus dem Orchestergraben auf die Bühne zu wechseln?Durch meine Ehefrau, die Gesang studiert hat. Für eine Familienfeier haben wir das Katzenduett von Rossini einstudiert - meine erste solistische Aufführung - und dabei hat meine Frau festgestellt, dass ich eine ganz gute Stimme habe. Auch ihr Stimmlehrer hat dann bestätigt, dass eine Gesangsausbildung nicht abwegig seiIhr erstes Engagement hat Sie ans Schleswig-Holsteinische Landestheater geführt.Glücklicherweise konnte ich im Orchester ein Jahr unbezahlten Urlaub nehmen. Daher war meine Spielzeit am Landestheater eine Art Job auf Probe, um auszuprobieren, ob meine Stimme der regelmäßigen Belastung überhaupt gewachsen ist. Daher war das Engagement in Flensburg eine schöne Zeit, weil natürlich alles neu war für mich. Außerdem hatte ich tolle Kollegen und einen Regisseur, der sehr behutsam vorgegangen ist, um einem die Angst zu nehmen. Er hat es verstanden, uns individuell zu fördern und aufzubauen; davon zehre ich heute noch. Nach wie vor habe ich Kontakt zu einigen Kollegen von damals - das spricht, glaube ich, für sich.Wie ging's dann weiter?Der Intendant der Semperoper hat mich bei einer Vorstellung gehört und bot mir an, nach Dresden zu kommen und dort mit kleineren Partien anzufangen und dann langsam auf größere Rollen zu gehen. In Dresden habe ich erstmal ein ziemliches Hungerjahr hinter mich gebracht, weil die Partien eher klein waren. Das hat mich erstmal gefrustet, weil ich aus Flensburg ja erste Partien gewöhnt war. Jetzt musste ich plötzlich den "Dritten von links" singen. Aber wenn man um sich herum gute Eindrücke bekommt, dann hört man sich natürlich viel ab und wächst daran. Nach dem ersten schwierigen Jahr ging es dann aber schnell auf größere Partien, mit denen ich meine Stimme weiterentwickeln konnte.Sie haben sich seitdem vor allem mit Wagner-Partien weltweit einen Namen gemacht.Schon als Orchestermusiker habe ich seine Musik sehr geliebt. Sie übt einen unglaublichen Sog aus. Und auch in diesen Klang hineinzusingen, ist ein großartiges Erlebnis.Wie schnell wird man in der Opernszene als Wagner-Held abgestempelt?Man wird schnell in eine bestimmt Schublade gesteckt. Aber sicherlich gibt es Schlimmeres, als ausgerechnet als Wagner-Sänger zu gelten. Trotzdem halte ich es für wichtig, auch andere Partien anzubieten und in der Stimme Flexibilität zu bewahren. Ich glaube, das gelingt mir noch sehr gut.Gibt es eine Wunschpartie?Die Wunschpartien mache ich ja alle. Ich gehe im Augenblick von der Schwere her bis zur Siegfried-Grenze. Aber es gibt schon noch Rollen im Kopf: Tristan oder auch Tannhäuser und Siegfried. Aber damit warte ich noch einige Jahre.Sie sammeln Auszeichnungen wie andere Briefmarken. Jetzt erhalten Sie den Kunstpreis des Landes Schleswig-Holstein. Was bedeutet Ihnen dieser Preis?Ich war zunächst total überrascht und habe mich natürlich sehr gefreut. Es ist für mich etwas ganz Besonderes, einen Preis zu bekommen aus dem Land, das mir sehr am Herzen liegt und in dem ich sehr gern lebe. Aus Liebe zu Schleswig-Holstein bin ich ja aus Dresden zurückgekommen und lebe als freischaffender Sänger in Brunsbüttel.Sie haben ein ungewöhnliches Hobby und fliegen zu Ihren zahlreichen Auftritten als "fliegender Holsteiner" mit dem eigenen Flugzeug.Die Fliegerei ist ein Kindheitstraum von mir. Ich habe eigentlich nur gewartet, bis ich das erste Geld zusammen hatte, um den Flugschein zu machen. Seitdem fliege ich und es ist tatsächlich so, dass man seine Sorgen am Boden lässt und vollkommen ausspannen kann. Die schönsten Flüge sind es, wenn man bei gutem Wetter das Flugzeug auch als Verkehrsmittel zu Auftritten nutzen kann.

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