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Kultur Die Energie der Großstadt
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10:00 20.05.2016
Von Sabine Tholund
Straßenverkehr als Motivgeber: Katharina Duwe (hinten) und Katja Flieger. Quelle: bos: Björn Schaller
Kiel

Stadtschwärme heißt die Schau, ein wortschöpferisch stimmiger Titel, der zu den Arbeiten von Duwe wunderbar passt. Anonymität ist ein wichtiges Stichwort für die Bildwelt der mehrfach preisgekrönten Künstlerin, in der der Mensch nur selten vorkommt. Im Bild Dahinter“etwa hasten schemenhafte Gestalten an dicht befahrener Straße hinter einem Bauzaun durch das Dämmerlicht – eine alltägliche Situation, die jeder kennt.

 Der Straßenverkehr ist aus ihren Bildern nicht wegzudenken. Ein Meer aus Lichtern, ausgesandt von den Scheinwerfern unzähliger Autos, beherrscht die vornehmlich nächtlichen Impressionen, in denen der Mensch nur indirekt anwesend ist. „Es geht um Bewegung, Flüchtigkeit und Geschwindigkeit. Die Nacht hat dabei den Vorteil, dass alles Figürliche in den Hintergrund tritt, während das für die Malerei spannende Licht die Vorherrschaft übernimmt.“

 Von Fotografien inspiriert, sind die vielfarbigen Impressionen mal mühelos als Straßenszenen zu erkennen, in anderen Bildern verschwimmt alles Gegenständliche zu Lichtpunkten oder waagerechten Linien, die an Computerpixel erinnern. Dann wird die dingliche Welt zur Struktur, in der nur das „urbane Rauschen“ spürbar ist. Als ihr „malerisches Vergnügen“ bezeichnet die Tochter einer bekannten Hamburger Künstlerfamilie diese Verfremdungen, zu denen ein Wechsel aus lasierend und pastos aufgetragenen Farbschichten genauso gehört wie der gelegentlich gestische Pinselstrich, der dünnflüssige Rinnsale zulässt und den Gemälden unverhoffte Transparenz verleiht.

 Auch für die Arbeiten von Katja Flieger, bekannt auch für ihre Tapeten im kunstvoll verfremdeten Stadtplan-Design, ist der Straßenverkehr ein indirekter Motivgeber. Die Muthesius-Absolventin mit Atelier im Anscharpark hat Piktogramme und Symbole von Straßenschildern aufs Korn genommen, die sie unter anderem auf Tassen und Tellern verewigt. „In anderer Farbigkeit oder aus dem Zusammenhang gerissen nimmt man diese Zeichen anders wahr“, so die gebürtige Zwickauerin. Zum Beispiel das Warnschild zur Krötenwanderung: In der Ausstellung schwärmen die plumpen Tierchen aus – ein bizarres, irgendwie putziges Bild.

Ausstellung in der Heiligendammer Straße 15, Haus 8. Eröffnung Sonnabend, 16 Uhr, Bis 19. Juni Do+Fr 15-18, Sa+So 14-18 Uhr

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