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Kultur "Die Gesten waren größer als sonst"
Nachrichten Kultur "Die Gesten waren größer als sonst"
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17:00 30.10.2008
Kiel

Lachend erinnern sich auch Tante-Salzmann-Darsteller Reiner Wiese und Dagmar Richter an diese Situation. Natürlich war das nicht die Lösung. "Das haben sie dann schnell abgestellt und weniger auf den Wortwitz, sondern mehr auf die Körperlichkeit gesetzt", sagt Keller. Zwar gab es für die Einleitungen Dolmetscher, aber im Spiel mussten die Schauspieler mit Händen und Füßen reden, so Wiese: "Die Gesten waren größer als sonst." Und die Russen haben verstanden.Zum zweiten Mal hatte es Tante Salzmann mit Wiese, Keller, Richter, Yasemin Gülerbasli und Carsten Kühl nach Sibirien verschlagen. Vom 13. bis 19. Oktober improvisierten sie auf den Bühnen von Omsk, Nowosibirsk und Akademgorodok. Der Kontakt war im vergangenen Jahr über eine Bekannte entstanden, eine Einladung des Goethe-Instituts folgte, die erste Sibirien-Tournee stand. Valery Stefaniev's Happy-Center heißt die russische Theatergruppe, mit der sich Tante Salzmann dort anfreundeten. Von ihr kam in diesem Jahr auch die direkte Einladung zu einem Theaterfestival in Nowosibirsk.Die Tante ging auf Reisen und leistete sicher auch ein Stück Pionierarbeit, denn: "Es gibt kein Improtheater in Sibirien", sagt Wiese. Doch wohin die Kieler Truppe kam, sie hinterließ immer neue Fans. Auch das hat Tom Keller hinter seinem Klavier beobachtet: "Anfangs gab es eine leichte Reserviertheit gegenüber dem Spiel, doch dann sind die Zuschauer sehr schnell damit warm geworden. Ich habe leuchtende Gesichter gesehen." Es ist eine besondere Atmosphäre entstanden, erinnert sich Dagmar Richter: "Einige sind zur Bühne gekommen und haben sich bedankt. Sie kennen das sonst nicht, dass direkter Kontakt zu den Schauspielern so möglich ist."Für russische Schauspieler wie von Happy-Center gaben Tante Salzmann zudem Workshops, in denen sie die Grundregeln des Improtheaters vermittelten und durchspielen ließen. Sollte sich eine Impro-Szene in Sibirien entwickeln, dann müsse diese aus einer Subkultur kommen, sagt Dagmar Richter. Die Schauspieler in professioneller Ausbildung stünden nämlich unter Druck und müssten sich erst freispielen. "Aber wenn der Funke überspringen würde, wäre das toll. Denn Improtheater passt in dieses Land, in dem soviel improvisiert wird."Improvisationskunst erlebte Tante Salzmann auch im Reisealltag: "Die Organisation war manchmal chaotisch, aber erstaunlicherweise hat immer alles geklappt", sagt Keller. Betreut wurde die Truppe dieses Mal fast ausschließlich von Russen. "Wir sind richtig in das russische Leben eingetaucht, ins russische Wohnzimmer", erzählt Richter, "die Gastfreundschaft fanden wir extrem klasse."Nach sechs Tagen und vier Aufführungen bleiben diese Momente, aber auch Begegnungen in der Transsibirischen Eisenbahn und mit dem Glöckner von Omsk in Erinnerung. Vielleicht wird es bald einen Gegenbesuch in Kiel geben. Dann heißt es für die russischen Schauspieler vor deutschem Publikum: "Diese Szene beginnt mit Salz und Pfeffer!"Sonntag, 2. November, 20 Uhr, Impromatch mit den Wortlichtern aus Schwerin im Theater-im-Werftpark, Tickets: Tel. 0431/901 901

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