Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Kultur Was ihr Blick verrät
Nachrichten Kultur Was ihr Blick verrät
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:00 07.09.2016
Von Maren Kruse
„Zugewandt“ lautet der Titel von Uschi Kochs Werkzyklus mit Porträtköpfen und Halbfiguren. Quelle: Foto: Marco Ehrhardt
Kiel

Die Frau mit der großen Katze auf dem Arm trägt ihre Haare zu einem Pferdeschwanz gebunden. Ernst wirkt sie, aufrecht und nachdenklich, eine Spur schmallippig vielleicht. m Profil dagegen scheint die Andeutung eines Lächelns ihren Mund zu umspielen. In jedem Fall ist sie apart, eben eine, die ihren eignen Kopf hat. Ihr Blick verliert auch in der Distanz nicht an Intensität. Uschi Kochs lebensgroße Porträtköpfe und Halbfiguren aus Betonguss haben ein Eigenleben, das zuweilen beinahe unheimlich ist. Man entgeht ihnen nicht. Nachzuprüfen ist das ab morgen im Bunker-D der Fachhochschule Kiel, der sich für die eindrucksvoll empfindsamen Arbeiten der Kieler Bildhauerin als erstaunlich geeigneter Ort erweist. Vor allem bei Tageslicht, wenn die rohen Bunkerwände mit ihrer stumpfen sandfarbenen Oberfläche mit dem Material korrespondieren, das die Künstlerin verwendet.

 Seit 20 Jahren arbeitet Uschi Koch, die Ende der Achtzigerjahre bei Jan Koblasa an der Muthesius Kunsthochschule Bildhauerei studierte, nun freischaffend. Ihr Thema? Immer der Mensch und seine Körperlichkeit, zunächst umgesetzt in wohlauskomponierten Schwarz-Weiß-Fotografien, von denen im Bunker eine Auswahl zu sehen ist. Dass darauf dann der bildhauerische Zugriff folgte, verwundert nicht, war doch die Plastizität, das Leibliche schon zuvor in den Fotografien angelegt.

 Im Bunker lassen sich solche Entwicklungen im Werk der Künstlerin fein nachvollziehen. Zudem ist die Schau so maßvoll bestückt, dass der nötige Raum bleibt, die Sockelfiguren von allen Seiten zu betrachten. Die Frau mit dem toten Vogel zum Beispiel sieht gefasst aus, im Profil dagegen wirken ihre Züge traurig. Uschi Koch geht es nicht um den einen gültigen Ausdruck als Essenz der Persönlichkeit. Sie will mit ihren Porträts Stimmungen transportieren, innere Gefühle. Fotografien liefern die Grundlage und sind auch während des Modellierens als Dokumentation einzelner Arbeitsschritte unverzichtbar. Mit Ton modellieren, mit Gips abformen und schließlich mit Beton ausgießen, das erfordert schon technisch Zeit und Geduld.

 Eine Jahr, eine Arbeit, bilanziert Uschi Koch lapidar, da sei es dringend Zeit für etwas Kleines, Schnelles gewesen. Sie kaufte sich einen Brennofen, erwarb sich mit kollegialer Hilfe das grundlegende Rüstzeug, denn die Idee, die Tierwesen von Hieronymus Bosch plastisch werden zu lassen, war schon lange da. Als Kind hatte sie in dem Bildband, der zuhause im Regal stand wieder und wieder geblättert. Und nun sind sie körperlich geworden, als Halbreliefs, handlich in der Größe und dennoch alles andere als harmlos – der blaue Nasentröter, das grünliche Krötentier oder der braune Sattelfisch, der das Messer so lässig am Gürtel trägt, und auf dessen Schwanzflosse zwei menschliche Gestalten mitreisen. Was Uschi Koch daran fasziniert? „Dass sie einfach anders sind, die realistische Physiognomie dieser Wesen ist so kraftvoll, obwohl sie doch aus der Fantasie kommen.“

www.bunker-d.de

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Mehr als 700 TV-Folgen und rund ein Dutzend Kinofilme: Millionen Fans lieben "Star Trek". Vor 50 Jahren lief die erste Folge der Science-Fiction-Serie im US-Fernsehen. Danach sah es erst einmal nicht nach einem großen Erfolg aus.

07.09.2016

Zwei große Theatermänner aus der alten Riege gehen - und auf den Spielplänen steht einiges Neues an. Wie politisch wird die Theatersaison? Und sind Romane immer noch beliebt?

07.09.2016
Kultur Kabarettist Matthias Brodowy - Viel Streit, aber wenig Kultur

Der Kopf steckt voll. „120 Minuten Text“, sagt Kabarettist Matthias Brodowy über sein neues Programm „Gesellschaft mit beschränkter Haltung“, an dem er gerade noch arbeitet. Wie er sich so viel Stoff merken kann? Ganz einfach: „Muss ja!“. Am Freitag ist Vorpremiere im Lutterbeker.

Beate Jänicke 07.09.2016