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Kultur „Die Komödianten“ sind seit 25 Jahren eine Kieler Instanz
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19:16 17.03.2009
Kiel

Durch einige Wechsel im Ensemble, von Dario Fos Offene Zweierbeziehung bis zu Mankells fulminantem Monolog Bagger oder jüngst Peter Handkes Publikumsbeschimpfung, mit den niemals endenden Existenznöten, denen auch die schwankenden Zuschüsse von Stadt und Land kein Ende machen. Aber Dentler hat dieser Tage überhaupt keine Lust zu klagen: „Wer Theater macht, darf sowieso nicht über Geld reden“, sagt er und zitiert dazu seinen Wahlspruch: „Zwei Bretter und die Leidenschaft zu spielen - mehr brauchst du nicht zum Theater spielen.“ Der spanische Dichter Lope de Vega (1562-1635) hat das gesagt.Und spielen will Dentler: „Theaterdirektor bin ich ja nur geworden, damit ich Schauspieler sein kann. Damit ich die Freiheit habe, mir auszusuchen, was ich spiele. Und manchmal setze ich mir eben einen Zylinder auf und gebe den Theaterdirektor.“ Die festen Strukturen eines Stadttheaters haben den Ulmer, Absolvent der Stuttgarter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, nie gereizt. Ein freies eigenes Theater war sein Traum. Und weil Ulm und Umgebung mit dem vom Vater gegründeten Theater in der Westentasche schon besetzt war, kam der Schauspieler 1984 an die Förde, mit Ehefrau, zwei kleinen Kindern, 3000 Euro („Die hatte ich in der Hosentasche“) und dem festen Vorsatz, in Kiel ein Privattheater zu gründen.„Denn das war die einzige Landeshauptstadt, in der es tatsächlich kein Privattheater gab“, erinnert er sich, und eröffnete als Pioniertat im ehemaligen Speisesaal der Elac am Westring mit der Szenencollage Theater für Eilige sein Zimmertheater. Ein Jahr später zog man in die ehemalige Schlosserei in der Wilhelminenstraße; den kleinen Anbau für die Garderobe hat Dentler damals selbst gemauert.Aber eigentlich findet Dentler den Raum, der längst zum Kulturgut der Stadt gehört, gar nicht so wichtig: „Das brauchen wir nur, damit wir nicht nass werden. Theater hat mit einem Raum überhaupt nichts zu tun. Mein Raum ist die Erde. Spielen kann ich überall.“ So zieht es den Theatermacher und seine Truppe, zu der auch die Söhne Ivan und Isaak gehören, immer wieder hinaus. Auf die Straße (Menschenzoo, Warten auf Godot), ins Schwimmbad (Goethe geht baden), in den Bus oder in den Rathaus-Innenhof, wo seit 17 Jahren allsommers Der kleine Prinz auf Planetenreise geht. Dentler ist mit seiner Truppe, die damals noch aus Martina Riese, Kerstin Schlömpp, Peter Schmidt und Hanno Genz bestand, auf Hallig-Tour gegangen, hat auf dem Leuchtturm Kiel gespielt („Nur für die Möwen“), als Repräsentant der Stadt in Kiels Partnerstädten Kaliningrad, Gdynia, Brest und Coventry gastiert und ist im UN-Gebäude in New York aufgetreten. „Dass ich da reingekommen bin“, macht den sonst nicht gerade wortkargen Theaterdirektor immer noch ein bisschen sprachlos.An den Wänden hinterm Tresen reiht sich in der Wilhelminenstraße eine kleine Devotionaliensammlung. Das Autoschild „Actor“ vom New-York-Besuch, ein Bilderrahmen, in dem sich die Gesichter aller Mitarbeiter drängeln, die Preisträger-Urkunde vom Monodrama-Festival in Moskau. Solche Bestätigung treibt ihn - „und immer, wenn es nicht weiter ging, habe ich was Neues erfunden.“ Die Suche nach anderen Formen und die Lust an Experiment und Provokation haben so spektakuläre Aktionen hervorgebracht wie Sklavenmarkt, Menschenzoo oder das Hundetheater, zu dem aus Hannover 80 Dackel anreisten. Dass man sich mittlerweile etwas mehr auf die leichte Muse kapriziert, die Komödianten als „Zwischenmahlzeit“ auch zur Familienfeier kommen, würde Dentler so nicht sagen: „Natürlich sind wir käuflich - aber ich mache nur das, was ich will.“ Und so steht die Publikumsbeschimpfung neben Männer und andere Irrtümer und Peer Gynt neben Bagger. Auf dem Tresen liegt ein Stück, das in Südamerika der Renner ist, und gestern früh streifte den Ionesco-Fan der Gedanke, endlich mal dessen Stück Die Stühle auf die Bühne zu bringen. „Ich fühle mich auch heute noch wie ein fahrender Komödiant zwischen den Welten“, sagt Dentler, „und unser Theater ist ein wildes Ding, das in kein System reinzupressen ist.“Heute Abend, 20 Uhr, eröffnet das Theater Combinale (Lübeck) mit „Ich Romeo, du Julia“ das 1. Festival der freien Theater in Schleswig-Holstein. Morgen, 20 Uhr: Polnisches Theater Kiel „Gimpel, der Narr“. Fr, 20 Uhr: Theater Die Komödianten „Bagger“. Sbd, 20 Uhr: Theaterwerkstatt Pilkentafel „Die schöne Stunde“. Alle Vorstellungen im Theater Die Komödianten, Wilhelminenstraße 43. Kartentel. 0431/55.34.01. Internet: www.komoediantentheater.de

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