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Kultur Künstlerische Heimat im Anscharpark
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10:00 03.02.2017
Von Sabine Tholund
Nina Resl (Freie Kunst), hier mit Wachsskulptur im Nebenzimmer ihres Ateliers in Haus 1, arbeitet raumbezogen: „Durch den Raum verändert sich auch das Denken.“ Quelle: ehr - Marco Ehrhardt
Kiel

Entsprechend gut war gestern die Stimmung im Haus 1, wo Arne Zerbst, Präsident der MKH, die Glücklichen begrüßte. Insgesamt 30 Stipendien konnten für die Dauer von zwei Jahren vergeben werden. Die meisten Ateliers, verteilt auf 400 Quadratmeter in Haus 1 und Haus 8, werden seit Oktober genutzt – von Einzelpersonen, aber auch von kleineren Gruppen.

 „Die Schule ist während des Studiums eine Art Heimat, wo man gesichert arbeiten kann“, sagt Daniela Takeva. „Ich bin bald mit dem Master fertig und hätte nicht die Möglichkeit, mir einen Arbeitsraum zu finanzieren.“ Die gebürtige Bulgarin, die nach dem Abitur in Kiel Freie Kunst studiert hat, arbeitet mit Fotografie und Film. Ein Schreibtisch mit Computer, Grünpflanzen und zwei gemütliche Sessel zieren ihr Atelier, das für sie „ein Ort zum Denken, Lesen und Schreiben“ ist. Der Raum von Greta Magyar entspricht da schon eher dem Klischee eines Künstlerateliers. Eine ganze Batterie von Ölfarben türmt sich auf einem Tisch, ein gigantisches Gemälde mit organischen Strukturen zum Thema „Mikrobiom“ bedeckt die Wandfläche dahinter. Das Bild wird im Mai im Kieler Gropius-Bau ausgestellt. „Es ist großartig, so riesig arbeiten und sich ausprobieren zu können“, freut sich die Künstlerin. Sie sieht das Stipendium als Chance, sich nach dem Studium eine Basis aufzubauen. „Nebenbei bekommt man einen Eindruck davon, was später auf einen zukommt, und ist mit einem halben Schritt sozusagen schon in der großen, weiten Welt.“ Ihr Atelier wird vom Exzellenzcluster Entzündungsforschung der CAU finanziert. Insgesamt hat die Universität als Kooperationspartner der Kunsthochschule zwei Stipendien übernommen – genauso wie die Muthesius Gesellschaft als Förderverein der MKH. „Die anderen 26 Stipendien bezahlt die Muthesius Kunsthochschule“, sagt Arne Zerbst, der als Ideengeber die Stipendien „nicht mit der Gießkanne“ verteilen, sondern „möglichst viele“ erreichen und nach dem Abschluss in der Stadt halten will. „Das Gros der Stipendiaten kommt zwar aus dem Bereich Freie Kunst, aber wir sind froh, dass alle vier Studiengänge vertreten sind.“

 Zum Beispiel die Raumstrategie. Rike Gloy-Brüchmann, Astrid Becker und Anna Bandholz haben eine Firma gegründet. Als „Gruppe Drei“ bezogen sie im Oktober einen großzügigen Raum im Haus 1. Zu ihren Projekten gehört die Planung von Ausstellungen; derzeit leisten sie „Pionierarbeit im öffentlichen Raum“, indem sie gemeinsam mit den Bürgern Ideen gegen den fortschreitenden Leerstand in den Dörfern entwickeln. „Die Räume zu Hause reichten nicht mehr aus, auch für Kundentermine“, erzählt Astrid. „Im Atelier ist der Austausch gewährleistet, und das Netzwerk lässt sich gut entwickeln.“

 Ähnlich sehen es auch die Industriedesigner. Ein großer Tisch, mehrere Computer und ein paar Plakate füllen das Erdgeschossatelier von Benjamin Overhoff, Mathias Seesko und Aron Burau. Die beiden Industriedesigner und der Maschinenbauer tüfteln gemeinsam an der Weiterentwicklung von Overhoffs Master-Thesis über eine Treppe, die den Problemen des Alters entgegenkommt. „In Kiel ist man als Kreativer meist Einzelkämpfer“, sagt Overhoff. Mit seinen Atelierkollegen freut er sich, dass mit zunehmender Belegung des Hauses ein Bewusstsein für ein gemeinsames Zentrum und damit auch eine gewisse Gruppendynamik entsteht.

 „Dies ist ein Ort, der künstlerische Menschen anfixt“, ist Arne Zerbst überzeugt. „Der ganze Stadtteil könnte eine Belebung erfahren – vielleicht liegt hier die kreative Zukunft Kiels.“

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