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Kultur Regentrude im Werftparktheater
Nachrichten Kultur Regentrude im Werftparktheater
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09:48 26.11.2013
Von Sabine Tholund
Die Regentrude - Franziska Steiof. Quelle: Struck
Kiel

Ein perkussives Feuerwerk, in das Schlüsselsätze der Geschichte platzen, stimmt ein auf eine Uraufführung, die in einer gelungenen Mischung aus Musik, Spiel und Tanz die visuelle und atmosphärische Kraft des Theaters beschwört. Von der Schulklasse, die im Foyer noch Pausenhof-Atmosphäre verbreitet hatte, ist während der rund einstündigen Aufführung kein Mucks zu hören. Gebannt wie die Erwachsenen verfolgen sie das Geschehen um Maren, Tochter des reichen Wiesenbauern, die sich während einer verheerenden Dürre aufmacht, um die legendäre Regentrude aufzuwecken.

Nah am Originaltext belassen, verweist Steiofs Fassung auf die Aktualität des Stoffes, wenn ihre Protagonistin „die Wiesenbauern dieser Welt“ geißelt, „die auf die Idee kommen, Wasser zu verkaufen“. Behutsam ist diese Hinzufügung und bleibt doch im Gedächtnis. Johanna Körner spielt die so selbstbewusste wie bodenständige Bauerntochter, der nicht nur das Wohl ihrer Mitmenschen am Herzen liegt.

Die Bühne von Stefanie Klie ist zunächst leer bis auf einen Stuhl, der vom Wiesenbauern als Thron genutzt wird. Wie ein Zwerg verliert sich Jost op den Winkel im monströsen Möbel, während er in seinem Notizbuch Zahlenkolonnen addiert und sein Gebrabbel vom „Geld für Heu“ bald in einem krächzenden Schrei nach „Geld wie Heu“ mündet. Bald füllt sich die Bühne mit Toren, die, von Hindernissen verhängt, der Heldin den Durchgang erschweren. Herbeigeschleppt werden sie vom Luftmann, der die Rolle des Erzählers übernimmt und mit trockenen Kommentaren Komik verbreitet. Dirk Stieran glänzt mit körperbetontem Spiel und tänzerischer Eleganz auch als Feuermann, der im purpurfarbenen Gewand mit fahrigen, krakenhaften Gesten über die Bühne trudelt.

In einem blauschimmernden Kleid auch optisch als Gegenspielerin ausgestellt ist mit komischer Würde Marie Kieneckers Regentrude. Nach jahrhundertelangem Schlaf etwas eingerostet, ist ihre Körpersprache bald geschmeidig wie die Klaviermusik, deren Töne perlen wie die lang ersehnten Regentropfen. In einer Videoprojektion anfangs überirdisch groß, tritt die mystische Gestalt bald so menschlich auf, dass sie zu Marens Verdruss einen koketten Blick auf deren Schatz (Julius Ohlemann) wirft. Doch Andrees bleibt standhaft und alles wird gut – vorerst. Im letzten Bild wagt die Regisseurin einen humorvollen Blick in die Zukunft. Das Wetter scheint hier das geringste Problem zu sein.

Theater im Werftpark, Vorstellungen bis zum 12. Dezember. Termine und Karten unter Tel. 0431/901-901 oder auf www.theater-kiel.de

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