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Kultur Wiener Sängerknaben in Bestform
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11:09 07.12.2018
Neue CD der Wiener Sängerknaben: eine Hommage an die Strauß-Dynastie. Quelle: Universal
Meldorf

Von zwei Weihnachtsliedern geht die bewegende Mär, dass sie für lediglich von innigem Gesang erfüllte, gespenstische Ruhe über den Schützengräben des Deutsch-Französischen und des Ersten Weltkriegs gesorgt haben sollen, weil die Feinde mit einstimmten statt zu schießen: Adolphe Adams Holy Night (im Original: Minuit, Chrétiens) und das immaterielle Weltkulturerbe Stille Nacht.

Dass die Jungs dieses und ähnliches Repertoire in kleiner Tournee-Besetzung wunderbar draufhaben, durfte man erwarten. Frappierender war die erste Konzerthälfte. Da fluteten mehrchörige a-cappella-Raummusiken von Jacobus Gallus und Balduin Sulzer betörend freischwebend den Dom. Aus Benjamin Brittens Opus 28 ausgewählte Carols hatten Charme und jugendfrisch freche Energie.

Allenfalls kam der Norddeutsche ins Grübeln, als die evangelische Komponisten-Ikone Heinrich Schütz und seine Motette Heute ist Christus der Herr geboren reichlich stilfremd und überbordend vom Klavier unterfüttert wurde. Uneingeschränktes Vergnügen bereiteten aber die vielen Soli der durchgebildeten Knabenstimmen. Bemerkenswert, wie unterschiedlich reizvoll sie klingen – von zart und weich bis kernig trompetenhaft.

Gerade weil sie Franz Schuberts Vertonung des 23. Psalms D 706 so hinreißend mit einem Quäntchen Wiener Schmäh in der Aussprache besonders authentisch erscheinen ließen, hätte man sich eine Strauß-Polka von der hübschen neuen CD gewünscht. Dass die der Konzert-Komprimierung ohne Pause zum Opfer fiel, stieß aber auf Verständnis. Die 75-Minuten-Konzentrationsleistung – fast ohne Dellen und auswendig gesungen – war ja erstaunlich genug.

Von Christian Strehk

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