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Kultur Die ersten Stipendiaten ziehen in die Villa von Thomas Mann in Los Angeles ein
Nachrichten Kultur Die ersten Stipendiaten ziehen in die Villa von Thomas Mann in Los Angeles ein
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13:36 01.08.2018
Die Computergrafik zeigt das restaurierte Thomas Mann Haus in Los Angeles. In das ehemalige Exil-Zuhause von Thomas Mann ziehen im Rahmen eines neuen Residenzprogrammes deutsche Stipendiaten ein. Quelle: dpa

Sie sind einer von vier Stipendiaten, die ab dem 1. August in das neu eröffnete Thomas-Mann-Haus in Los Angeles einziehen. Was haben Sie sich für diese Zeit vorgenommen?

Sinn der Fellowship ist die Förderung der transatlantischen Beziehungen – in persönlichen Begegnungen ebenso wie in literarischen und wissenschaftlichen Projekten. Was kann ich als Literaturwissenschaftler zu diesem Thema beitragen? Ich will einen historischen Rückblick versuchen und mich einerseits Benjamin Franklin widmen, der 1766 nach Hannover und Göttingen reiste. Ein damals erschienener Gesprächsband gibt ein Bild der amerikanischen Kolonien zehn Jahre vor der Unabhängigkeit. Da führt uns ein Gründervater der USA zurück in die Frühzeit der amerikanisch-deutschen Beziehungen. Andererseits will ich mich mit dem Auswanderer Franz Daniel Pastorius beschäftigen, dem ersten deutsch-amerikanischen Schriftsteller aus dem späten 17. Jahrhundert. Er hat damals die erste Kampfschrift gegen Sklaverei verfasst – noch unter dem Eindruck des Dreißigjährigen Krieges, der Europa zerstört hatte. Seine Texte sind heute frappierend aktuell. Und schließlich will ich mich auf die Spuren eines bereits geschriebenen Buches begeben. In „Thomas Manns amerikanische Religion“ untersuchte ich Manns Beziehungen zur Unitarischen Kirche in Kalifornien.

Wie stand Mann zu dieser Kirche?

Im Exil und im Kampf gegen Hitler wandte Thomas Mann sich neu der Bibel und den religiösen Grundlagen der Kultur zu. Dabei begann er sich auch für die Unitarier zu interessieren, die einst aus der Reformation hervorgegangen waren, sich aber in den USA eigenständig entwickelt hatten: politisch linksstehend, den Bürgerrechtsbewegungen nah. Ihre Verbindung von sozialer Reform und christlichem Ethos beeindruckte Thomas Mann ebenso wie das Vorbild unitarischer Vorkämpfer. Auch dies brachte ihn auf die Schwarze Liste des FBI. Zusammen mit einigen heutigen Vertretern dieser Gemeinschaft wird es ein Symposium zur Bedeutung der Fragen geben, die Thomas Mann damals gestellt hat – heute, in Trumps Amerika.

In dem Haus in Kalifornien hat Mann den letzten Band seiner Tetralogie „Joseph und seine Brüder“ vollendet. Inwiefern spielt die Situation der deutschen Flüchtlinge in den USA eine Rolle?

Mann hat den biblischen Stoff bewusst als einen jüdischen Roman konzipiert. Anspielungen auf die Exilierten und die Flüchtlinge aus Hitlerdeutschland sind offenkundig. Bereits Günter Grass hat in seiner Dankrede zur Verleihung des Thomas-Mann-Preises 1996 darauf hingewiesen, wie sehr das Flüchtlingsthema im Roman den heutigen Migrationsbewegungen ähnelt. Zugleich bezieht Thomas Mann die Josephsgeschichte auch auf Roosevelt und seinen „New Deal“. Mann verehrte diesen Präsidenten, er engagierte sich sogar in seinem Wahlkampf. In einer Diskussionsveranstaltung zur Eröffnung des Thomas-Mann-Hauses wurde der Übergang von der Roosevelt- zur McCarthy-Ära – in der Thomas Mann eine amerikanische Variante des Faschismus sah – mit dem Wechsel von der Obama- zur Trump-Ära verglichen.

Thomas Mann

Der deutsche Literaturnobelpreisträger Thomas Mann war während der NS-Diktatur die wichtigste Stimme deutscher Intellektueller im Exil. Ab 1942 lebte er mit seiner Familie in Kalifornien. Das Haus, das er in Los Angeles baute und in dem er zehn Jahre arbeitete, kaufte 2016 die deutsche Bundesregierung, um es vor dem Abriss zu retten. In den vergangenen Monaten wurde eine Begegnungsstätte für Intellektuelle, Künstler, Wissenschaftler und Publizisten geschaffen, die dort im Rahmen einer Fellowship bis zu zehn Monaten leben sollen. Am 1. August ziehen die ersten vier Stipendiaten ein, neben dem Göttinger Literaturprofessor und Mannkenner sind das der Schauspieler Burghart Klaußner, die Berliner Soziologin Jutta Allmendinger und der Mikroelektroniker Yiannos Manoli.

Von Nina May/RND

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