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21:29 18.05.2016
Von Oliver Stenzel
Fil Campbell (Gesang, Gitarre) und Tom McFarland (Gesang, Percussion) kamen mit Traditionals und eigenen Songs. Quelle: "Oliver Stenzel, ost"
Kiel

Von Routine ist dabei zum Glück nichts zu spüren. Vielmehr zeichnet sich das Zusammenspiel der Sängerin, die sich selbst auf der akustischen Gitarre begleitet, und ihres zuweilen ebenfalls singenden Percussion-Partners, durch eine wache Vertrautheit aus.

 Auf dem Programm stehen Traditionals und eigene Songs, stimmig gemischt und auch in den hinsichtlich der Arrangements angenehm homogen gehalten. Wer in Sachen irische Songwriterkunst vor allem an die den Soundtrack zum Guinness denkt, ist hier falsch. Insbesondere in der ersten Konzerthälfte musiziert das Duo eher still. Während Fil Campbells mit gereifter Stimme Geschichten aus dem Land des grünen Klees heraufbeschwört, grundiert Tom Mc Farland diese elegant und kunstvoll auf den Bongos oder an der Rahmentrommel. Mitunter gestaltet auch er ein Stück mit milder Stimme, bei den Refrains ist er regelmäßig am Mikrofon zu erleben.

 Auch das Publikum dürfte hierbei mit einstimmen, wie das Duo immer wieder betont. Doch das genießt lieber ein Glas Rotwein im Halbdunkel, summt allenfalls leise mit und applaudiert dafür umso herzlicher. Am Abend zuvor, berichten Fil Campbell und Tom McFarland, hätten ihre Gäste noch lautstark mitgesungen. Das war auf Hallig Hooge, wo sich im Konzert statt Wein- vor allem Schnapsgläser leerten. Auf der Hallig versteht man offensichtlich zu feiern – wenn es dort denn einmal etwas zu feiern gibt.

 Zwischen den Songs zeigt sich Fil Campbell als sympathische Moderatorin, die die Geschichte zum Lied preisgibt. Der Titelsong des aktuellen Album Back There beispielsweise handelt von der Sehnsucht nach unbeschwerten Kindheitstagen. Campbell und McFarland singen ihn mit Inbrunst, so dass die Rückverbindung zu diesen Zeiten und ihrer Vitalität unmittelbar spürbar wird.

 Generell nimmt der Abend in der zweiten Konzerthälfte an Fahrt auf. Hier steigert sich nicht nur das Tempo der Musik, hier präsentiert auch Tom McFarland ein klangfarblich an indische Tabla-Künste erinnerndes Solo auf der Bodhrán. Und im Finale gibt Fil Campbell dann noch überraschend in gebrochenem Deutsch ihre Version von Hannes Waders Wandervogel-Hymne Heute hier, morgen dort zum Besten. Dass diese naturgemäß eher ulkig als vollendet wirkt, ändert nichts daran, dass man an diesem Abend ein echtes musikalisches Kleinod erleben durfte.

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