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Der großen Dichterin ganz nah

Ellen Dorn Der großen Dichterin ganz nah

Im erzkatholischen Münsterland kam Annette von Droste-Hülshoff 1797 zur Welt. Eine Umgebung, die sie prägen sollte. Die Kieler Schauspielerin Ellen Dorn hat der Dichterin zum 220. Geburtstag einen szenisch-musikalischen Abend gewidmet.

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Die Cellistin Bettina Günst tritt mit Ellen Dorn in einen Dialog.

Quelle: Björn Schaller

Begleitet wurde sie von der Cellistin Bettina Günst, unter dem Titel „Weh bin ich toll. (Oder nahet mein End?) – Ein Portrait“. Stoff gibt es genug. Briefe, Manuskripte, Bilder - die Bühne des restlos ausverkauften Studios des Kieler Schauspielhauses ist übersät davon. Annette von Droste-Hülshoff war eine bedeutende Schriftstellerin, die mit ihren exzellenten, bisweilen ins Mystische spielenden Naturbeobachtungen oft tief ins Innere ihres lyrischen Ichs blickte.

Mit viel Einfühlung spricht Ellen Dorn solche Passagen. Etwa im Gedicht „Blumentod“, in dem von Droste-Hülshoff „grünes Blut“ fließen lässt: „Wie sind meine Finger so grün / Blumen hab ´ ich zerrissen“. Verse, die Ellen Dorn verschränkt mit der „Jugendkatastrophe“ der Dichterin, als sie mit Anfang 20 von ihrem damaligen Gefährten und dessen Freund auf die (Liebes-)Probe gestellt und verlassen wurde. Sie blieb danach unverheiratet. Immer wieder beeindrucken auch die vielen von Dorn temperamentvoll vorgetragenen Wünsche der Dichterin nach größerer persönlicher Freiheit.

Ellen Dorn, die sich nicht plump äußerlich ins Adelsfräulein verwandelt hat, sondern in schlichter Hose und Bluse diese ganz gegenwärtig macht, lässt noch andere Facetten aufscheinen: Wie lebendig und witzig von Droste-Hülshoff auch war, offenbaren ihre Briefe, in denen sie mit viel (Selbst-)Ironie Reiseerlebnisse schildert oder auch den Überschwang ihrer Gefühle zum jüngeren Freund Levin Schücking.

Die Cellistin Bettina Günst tritt dabei mit Ellen Dorn in einen Dialog. Günst greift zurück auf Musik von Franz Schubert, auf Volkslieder und auf Kompositionen der Annette von Droste-Hülshoff selbst. Auch Eigenkompositionen von Bettina Günst sind zu hören, die ihr Cellospiel oftmals loopt, sich dann dazu wieder improvisierend begleitet, was einen starken atmosphärischen Rahmen schafft. Und sogar Nina Hagens „Fisch im Wasser“ blitzt mal kurz auf. Wenn Ellen Dorn dann den Song-Text dazu spricht, ist der Weg von der talentierten, ungebärdigen Frau von Droste-Hülshoff, die oft als „unweiblich“ und mit „mehr  Verstand als Gemüt“ abqualifiziert wurde, zur modernen Künstlerin und Frau ganz nah.

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