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Kultur Kunstraub: Gemälde von Nolde wieder da
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14:26 12.01.2018
Flensburg/Seebüll

Nach einer gescheiterten Lösegeld-Erpressung haben die Täter ein 2014 aus einer dänischen Kirche gestohlenes Gemälde von Emil Nolde (1867-1956) ohne Zahlung zurückgegeben. Die Aushändigung des auf 1,3 Millionen Euro geschätztes Bildes „Christus zu Emmaus“ an die Staatsanwaltschaft sei am 22. Dezember 2017 über einen Rechtsanwalt in Gegenwart der Polizei und einer Mitarbeiterin der Nolde Stiftung Seebüll (Kreis Nordfriesland) erfolgt, teilten die Flensburger Polizei und Staatsanwaltschaft am Freitag mit. Vorausgegangen waren umfassende Ermittlungen. Im März 2014 war das Gemälde aus der Kirche in Ølstrup (bei Ringkøbing) entwendet worden.

Ein Erpresser mit dem Pseudonym „Kulturfreund“ wandte sich zweieinhalb Jahre später an die Nolde Stiftung: Für eine „Aufwandsentschädigung“ von 130 000 Euro - also zehn Prozent des Schätzwertes - würde er das Bild zurückgeben.

Die Nolde Stiftung Seebüll schaltete die Polizei ein. Unter Leitung der Staatsanwaltschaft Flensburg liefen die Ermittlungen. Diese wurden zunächst dadurch erschwert, dass der mutmaßliche Erpresser lediglich verschlüsselt übers Internet mit der Nolde Stiftung kommunizierte. Letztlich konnten die Ermittler Hinweise auf eine schleswig-holsteinische Anwaltskanzlei erlangen.

Eine Durchsuchung im vergangenen November ergab Hinweise auf einen Inhaftierten. Er soll aus einem Gefängnis die weiterhin unbekannten Gemäldediebe bei der versuchten Erpressung unterstützt haben. Die Staatsanwaltschaft habe ihn schließlich zur Vermittlung der Rückgabe des Bildes bewegt. Eine Expertin der Stiftung identifizierte das Gemälde. Für die endgültige Bestätigung der Echtheit und Bewertung von möglichen Schäden sind noch weitere Untersuchungen notwendig.

„Wir sind hoch erfreut, dass wir dieses wertvolle und kulturell bedeutsame Gemälde ausfindig machen konnten, um es nach Abschluss der Untersuchungen seinem rechtmäßigen Eigentümer zurückzugeben“, erklärten Vertreter von Polizei und Staatsanwaltschaft. Danmarks Radio berichtete, die Ølstruper Pastorin Inge-Dorthe Brønden Kaasgaard sei überglücklich.

Astrid Becker, stellvertretende Direktorin der Nolde-Stiftung in Seebüll, sprach am Freitag von einem großen Glücksfall. Das 1904 entstandene Gemälde sei ein zentrales, frühes Werk Noldes, sagte Becker der Deutschen Presse-Agentur. Es gehöre zur Werkgruppe der religiösen Bilder und sei, wie viele Gemälde Noldes, auch in der dänischen Gemeinde Ølstrup kontrovers diskutiert und zeitweise sogar in der Kirche abgehängt worden. „Christus zu Emmaus“ sei eine Auftragsarbeit für eine dänische Adelsfamilie gewesen. Von 1939 bis zum Diebstahl 2014 hing es ununterbrochen in der Kirche.

Von KN

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