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Kultur Klarinetten-Sang und Beethoven-Explosion
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18:58 06.02.2018
Erbauliche Mozart-Kompetenz: Solo-Klarinettist Ishay Lantner mit GMD Georg Fritzsch und seinen philharmonischen Kollegen. Quelle: Marco Ehrhardt
Kiel

Während in den Zuschauerreihen Wehmut wabert, weil der 2019 scheidende Generalmusikdirektor schon sein vorletztes Mozart-Konzert der Musikfreunde dirigiert, schallt von der Bühne unbekümmerte Frische in die Halle. Es ist von Anfang an ein sehr differenziert verknüpftes Tongewebe, in dem sich der hervorragende Solist kollegial wohlfühlen und frei ausbreiten kann: Der Philharmonische Solo-Klarinettist Ishay Lantner zelebriert Mozarts vielleicht allerschönstes Instrumentalwerk, das A-Dur-Klarinettenkonzert KV 622, mit graziös singendem Holzbläserstrahl. Und weil das Orchester sich nur in Zwischenspielen opernnah aufplustert, ansonsten aber kammermusikalisch fein mitflüstert, kann der Israeli gerade im traumhaften Adagio-Mittelsatz auch ein hinreißend entrücktes Pianissimo wagen.

Dann die Beethoven-Explosion. Fritzsch setzt auf knackige Akzente und eine Rasanz möglichst nah an Beethovens unerhört wirkenden Vorgaben. Fritzsch vergisst zwischendurch niemals, dass die Siebte auch eine Art Vulkangeburt der großen romantischen Sinfonik darstellt: eröffnet von den opulenten Akkordschlägen und den sehnsüchtigen Melodiestrecken in der langsamen Einleitung, in bohrenden Bass- und Hörnergrundierungen, in der auratischen Klangraummalerei der Trio-Kontraste im dritten Satz. Bravi!

Von Christian Strehk

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