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Kultur „Der Buchladen der Florence Green“: Die Kunst des Lesens
Nachrichten Kultur „Der Buchladen der Florence Green“: Die Kunst des Lesens
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15:31 02.05.2018
Versunken in Literatur: Florence Green (Emily Mortimer). Quelle: Foto: Capelight
Hannover

In Zeiten von Amazon & Co. einen Buchladen zu eröffnen, ist gewagt. Der Umsatz gedruckter Bücher fällt, E-Books können das Minus nicht auffangen. Noch gewagter war es aber Ende der 1950er Jahre, sich ausgerechnet im ostenglischen Hardborough den Traum vom eigenen Buchgeschäft zu erfüllen. Die junge Witwe Florence Green (Emily Mortimer) stürzt sich trotzdem mutig ins Abenteuer.

Ihr Elan stößt bei den spießigen Honoratioren nicht gerade auf Begeisterung. Der Banker traut ihr nicht über den Weg, der Anwalt spinnt Intrigen, und ganz schlimm ist die Generalsgattin Violet Garmart (Patricia Clarkson), die nicht nur ihren Mann unter der Fuchtel hat, sondern auch einen Großteil der Dorfbewohner. Dass Fischer und Arbeiter nach einer Schamfrist doch in den Regalen schmökern und sogar provozierende Werke wie Vladimir Nabokovs „Lolita“ oder Ray Bradburys „Fahrenheit 451“ kaufen, erzürnt die bürgerliche Lady, die ganz andere Pläne mit dem liebevoll renovierten „Old House“ verfolgt. Der Einzige, der zu Florence hält, ist der zurückgezogen lebende Bibliophile Mr. Brundish (Bill Nighy), ein Außenseiter wie die Titelheldin. Und doch steht die sanfte Buchliebhaberin mit leicht feministischem Einschlag auf verlorenem Posten.

Die Spanierin Isabel Coixet („Elegy oder die Kunst zu lieben“) liefert eine fein gesponnene Hommage auf die fast vergessene Welt des Buches, die Liebe zur Literatur, die Kunst des Lesens. Nach der Romanvorlage von Penelope Fitzgerald raunt eine Off-Stimme allerdings etwas viel über Schönheit des gedruckten Wortes und in der am Ende dramatischen Geschichte sind die Rollen zwischen Gut und Böse allzu schnell zugeteilt. Versöhnlich stimmen die treffsicheren Dialoge und die überzeugenden drei Hauptdarsteller, vor allem eine emotionale Emily Mortimer als engagierte Frau mit Visionen, Herz und Hirn.

„Der Buchladen der Florence Green“, Regie: Isabel Coixet, 110 Minuten, FSK 0

Von Margret Köhler

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