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Kultur „Love, Simon“: Geschichte eines Coming-Outs
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05:03 28.06.2018
Trägt ein Geheimnis mit sich herum: Simon (Nick Robinson). Quelle: Foto: Fox
Hannover

„Ich bin wie ihr“, sagt Simon gleich zu Beginn. Und genauso wie der Jugendliche sein ganz normales, weißes Mittelklasseleben vorführt, erzählt auch Greg Berlantis „Love, Simon“ seine Geschichte im konventionellen Format eines High-School-Movies. Doch gerade das ist das Besondere an diesem Film. Denn Simon hat ein Geheimnis, das normalerweise nicht in diesem Genre verhandelt wird: Er ist schwul, und davon wissen weder seine Eltern noch seine Freunde.

Mit dem vorjährigen Oscar-Gewinner „Moonlight“ und dem diesjährigen Nominierten „Call Me By Your Name“ haben es zwei Filme ins Bewusstsein der Weltkinogemeinde geschafft, die schwules Leben nicht mehr nur im Nischenformat für die eigene Community, sondern mit gebührender und gelassener Selbstverständlichkeit vor einem breiteren Publikum verhandelt haben. „Love, Simon“ geht noch einen Schritt weiter auf den Mainstream zu und gilt als erste Studioproduktion, die sich mit dem Thema „Coming Out“ beschäftigt.

Das Gute daran ist, dass sich „Love, Simon“ überhaupt nicht wie ein Themenfilm anfühlt. Mit herzerfrischender Konventionalität bedient Berlanti die Gesetze eines amerikanischen Teenie-Films, in dem das Leben an der High School zum sozialen Mikrokosmos ausgebaut wird.

Versteckte Gefühle

Simon (Nick Robinson) führt mit einer kleinen Schar von Freundinnen und Freunden eine gut integrierte Existenz. Vielleicht ist es gerade diese Eingebundenheit, die ihn davor zurückschrecken lässt, das Geheimnis seiner sexuellen Orientierung preiszugeben. Als sich ein anonymer Mitschüler im innerschulischen Chatroom als schwul outet, hat Simon endlich jemanden, mit dem er sich über seine versteckten Gefühle austauschen kann.

Im geschützten digitalen Raum kommen sich die beiden zunehmend näher, aber der Sprung von der Online-Seelenverwandtschaft ins echte Liebesleben will ihnen nicht gelingen. Zu groß ist die Angst vor ablehnenden Reaktionen. Lieber will Simon bis zum Ende der Schule warten und in einer anderen Stadt als Student ein neues, freies, schwules Leben anfangen.

Aber dann gelangt ein Mitschüler an die E-Mails und versucht, Simon zu erpressen. Simon soll den Unsympathen mit einer Freundin verkuppeln, sonst droht das unfreiwillige „Outing“. Und so setzt Simon seine alten Freundschaften aus Angst aufs Spiel, sein Geheimnis zu verraten und den anonymen Vertrauten zu verlieren. Daraus entspinnen sich Verwicklungen shakespeareschen Ausmaßes – und eine herzzerreißende Liebesgeschichte, die im Slalomkurs auf ihr romantisches Finale zusteuert.

Schwules Leben im Multiplex-Format

In den Entscheidungsgremien von Hollywoodstudios sitzen vorwiegend Leute, die die Toleranzbereitschaft ihres Publikum lieber unterschätzen als wegen eines vermeintlichen Tabubruches auch nur ein Ticket weniger zu verkaufen. Ein Film wie „Love, Simon“, der aus dem Liebesleben eines schwulen Jugendlichen im Multiplex-Format erzählt, war schon lange überfällig. Nur punktuell merkt man dem Drehbuch von Elisabeth Berger und Isaak Aptaker die Anstrengungen an, Studiobedenken und die vermeintlichen Vorbehalte der jungen Zielgruppe zu zerstreuen. An der Kulisse der heilen Mittelklassewelt etwa wird nicht gekratzt, um das Publikum nicht noch mit weiteren Widersprüchen zu belasten.

Doch gelingt es dem Film mit Witz, Charme und einer guten Portion Romantik, seine Liebesgeschichte universell zugänglich zu machen. Die Geschichte wirkt angenehm unangestrengt. Das kitschige Happy End im Riesenrad und das solide US-Einspielergebnis von fast 60 Millionen Dollar hat sich „Love, Simon“ redlich verdient.

Von Martin Schwickert / RND

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