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Kultur „Mr. Gay Syria“ – Von Liebe und Zerrissenheit
Nachrichten Kultur „Mr. Gay Syria“ – Von Liebe und Zerrissenheit
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20:01 04.09.2018
Hat Angst, sich vor der Familie zu outen: Der Friseur Husein ist verheiratet, hat eine Tochter, hält sein Schwulsein lange Zeit geheim. Quelle: Foto: Coin Film
Hannover

Krieg und IS-Terror haben viele Menschen aus Syrien getrieben. Mahmoud Hassino war schon deshalb gefährdet, weil er sich offen zu seiner Homosexualität bekannte und einen Blog betrieb, der sich für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transsexuellen/Transgender und Intersexuellen (LGBTI) stark machte. Nach der Flucht aus der Heimat erhielt er in Deutschland politisches Asyl und engagiert sich in der Berliner Schwulenberatung. Dort kümmert er sich um muslimische Migranten.

Mehr Aufmerksamkeit für LGTB-Flüchtlinge aus Syrien

Umtriebig wie er ist, organisiert Mahmoud 2016 in Istanbul den Schönheitswettbewerb „Mr. Gay Syria“. Der Sieger soll am internationalen „Mr. Gay World“-Contest in Malta teilnehmen. Davon erhofft sich Mahmoud mehr Aufmerksamkeit für die heikle Lage von LGBTI-Flüchtlingen aus seiner Heimat.

Hier kommt nun Husein ins Spiel, der zweite Protagonist des Films. Anders als Mahmoud führt der junge Mann aus Afrin zu Beginn der Dreharbeiten noch ein Doppelleben. Seine Eltern, seine Frau und seine kleine Tochter, mit denen er in der Bosporus-Metropole gelandet ist, wissen nichts von seiner wahren sexuellen Veranlagung. Sein Schwulsein lebt er nur unter der Woche aus. In dieser Zeit arbeitet und wohnt der Friseur im Zentrum von Istanbul. Seine Angehörigen sieht er bloß an den Wochenenden.

Eine berührende Performance bringt den „Mr. Gay Syria“-Titel

Nicht zuletzt dank seiner berührenden Performance, bei der er ein Outing vor seiner Mutter imaginiert, wird Husein zum „Mr. Gay Syria“ gekürt. Er hat jedoch Bedenken, auch am „Mr. Gay World“-Wettbewerb teilzunehmen. Er fürchtet sich vor den Konsequenzen, falls seine Angehörigen doch noch Wind von seinem Anderssein kriegen.

Vor allem vor seinem streng konservativen Vater hat er Angst. Als er sich schließlich doch dazu entschließt, bekommt er kein Visum für Malta. Statt seiner fliegt Mahmoud auf die Insel – und muss enttäuscht feststellen, dass das Medieninteresse denkbar gering ist.

Ayse Toprak hat Mahmoud und Husein mehr als ein Jahr lang begleitet. Wie es ein solches Projekt mit sich bringt, konnte sie am Anfang nicht absehen, wie sich die Dinge entwickeln. Hätte Husein ein Visum erhalten und den Schönheitswettbewerb gewonnen, hätte „Mr. Gay Syria“ eine Erfolgsgeschichte erzählen können. Wahrscheinlich wäre es dann ein anderer Film geworden. Aber es ist müßig, darüber zu spekulieren.

Ayse Toprak dreht Dokus für eine bessere Welt

Die türkische Regisseurin sieht ihr Werk als Teil ihres Kampfes für eine bessere Welt. Dazu gehört auch das Eintreten für die Rechte von Randgruppen. Toprak stellt den Film ganz in den Dienst ihres hehren Anliegens. Keine Kameramätzchen, und auch sonst keine künstlerischen Ambitionen. Stattdessen eher Reportagestil. Dabei kommt sie ihren Protagonisten sehr nah, erzeugt viel Empathie für den innerlich zerrissenen Husein, der schließlich auch gegenüber seiner Familie Farbe bekennen muss.

Ein Art Happy End gibt es hier nur für zwei von Huseins Schicksalsgefährten. Omar darf seinem Freund Nader ins norwegische Asyl folgen. Die Bilder von ihrer glücklichen Wiedervereinigung lassen freilich auch daran denken, wie schwer es viele haben, das zu realisieren, was selbstverständlich sein sollte: als liebendes Paar offen zusammenleben zu können.

Bleibt zu hoffen, dass Topraks Doku der Sache schwuler Männer in muslimisch geprägten Gesellschaften – egal ob Flüchtling oder nicht – mehr anteilnehmende Aufmerksamkeit verschafft als es Mahmouds Engagement für den Wettbewerb in Malta vermochte.

Von Jörg Brandes / RND

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