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Kultur „Prinzip Montessori“ – Werbefilm fürs Selber-Lernen
Nachrichten Kultur „Prinzip Montessori“ – Werbefilm fürs Selber-Lernen
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06:01 05.09.2018
Bei Bedarf hilfsbereit: Zwei Kinder der Jeanne-D’Arc-Schule in Roubaix. Quelle: Foto: Neue Visionen
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Hannover

Die Kinder in diesem Film sind vertieft, konzentriert. Sie schälen Karotten, versuchen sich an kleinen physikalischen Experimenten, lernen Buchstaben kennen, Teppiche aufzurollen, Blumen zuzuschneiden.

Der igelhaarige Géraud beispielsweise säbelt mit einem Riesenmesser hingebungsvoll eine Orange entzwei und man befürchtet schon das Blutigste, erinnert sich an den Mahnreim „Messer, Gabel, Scher’ und Licht, sind für kleine Kinder nicht.“ Aber kurz danach kredenzt er einer Klassenkameradin seinen Orangensaft. Und die lobt höflich dessen leckeren Geschmack.

Der Zuschauer ist fansziniert von der Andacht und Stille der Schüler

Regisseur Alexandre Mourot blickt mit der Kamera in „Das Prinzip Montessori“. Der Untertitel „Die Lust am Selber-Lernen“ verrät schon alles. In der Jeanne-D’Arc-Schule in Roubaix folgt man den Lehren der Ärztin, Menschenrechtlerin und Pädagogin Maria Montessori (1870 – 1952), die das Kind als „Baumeister seiner selbst“ betrachtete. Hier ist der Lehrer Christian Maréchal Ansprechpartner und Anleiter für 28 Kinder im Alter von vier bis sechs Jahren.

Fasziniert ist man von der Ernsthaftigkeit, Andacht und Stille, mit der sich die Kinder hier bewegen. Kein Remmidemmi, keine Rüpeleien – Tränen nur, wenn die dreijährigen Novizen am ersten Schultag von ihren Eltern zurückgelassen werden.

Über die gesamte Distanz von 100 Minuten befindet sich der Zuschauer in diesem wohlaufgeräumten Klassenzimmer, erlebt, wie kindliche Neugier entsteht und gefördert wird. Keiner wird hier selbstwertmindernd ausgelacht, wenn etwas nicht klappt, es gibt keine Außenseiter. Der Spannungsbogen des Films ist flach, die Dramaturgie kunstlos wie ein frisch geschnittenes Brett. Trotzdem ist man allzeit fasziniert, verblüfft, gefesselt.

Mourot zeigt nur Montessori-Vorteile

Nicht erst mit dem Abspann allerdings, der zahlreiche Montessori-Einrichtungen unter den „Produzenten“ nachweist, hat man den Film im Propagandaverdacht. Es gibt nur Montessori-„Pros“, das „Contra“-Fett bekommt der klassische staatliche Schulbetrieb ab. Entweder kommentiert der Regisseur erfreut das Geschehen in Robaix oder eine Frauenstimme zitiert die Lehren Maria Montessoris.

Hier kommen – so werden uns die kleinen Wunder dieser Doku nahegelegt – die Erwachsenen für eine bessere Welt von Morgen. Der Planet kann sie gut brauchen. Da aber schon seit 100 Jahren montessorisch erzogen wird, hätten wir ein paar Zahlen über bisherige „Erfolge“ und „Erfolgskinder“ gut gefunden. Und auch Infos darüber, was passiert, wenn diese Kleinen nach Kinderhaus und Grundschulalter in der Welt von Lehrern, Tests und Hausaufgaben ankommen.

Von Matthias Halbig / RND

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