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Kultur Brückenschlag vom Berg zum Meer
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15:32 17.04.2018
Von Thomas Bunjes
Leisten ihren Beitrag zum Europäischen Kulturerbejahr: (v. li.) Folk-Baltica-Geschäftsführerin Juliana Christiansen, die österreichische Hauskünstlerin Julia Lachersdorfer und Festivalleiter Harald Haugaard. Quelle: Andreas Guballa
Kiel

Wie entstand die Idee zum diesjährigen Motto „Berg und Meer. Sharing Heritage“?
Harald Haugaard: 2018 ist das offizielle Europäische Kulturerbejahr unter dem Motto „Sharing Heritage“. Und Folk Baltica ist ja sogar lebendiges Kulturerbe mit langen Wurzeln: Musik, Tanz, Gesang. Ich bin, zusammen mit meiner Frau (die dänische Sängerin Helene Blum, d. Red), Botschafter für dieses edle Anliegen. Eine unserer Aufgaben war es, ein europäisches Ensemble zu bauen. Das haben wir dann gemacht mit elf hochkarätigen Musikern aus Sizilien, Polen, Finnland, Nordirland, Bosnien, Österreich – viele verschiedene Ecken.

"Es gibt eine Menge gemeinsame Lieder."

Das Love Tree Ensemble ...
Ja. Es gibt eine Tendenz in Europa: Man teilt sich, schaut mehr auf die Grenzen und die Unterschiedlichkeiten als die Ähnlichkeiten. Es gibt ja viele Verbindungen in Europa, quer über das Meer, über die Berge, und traditionelle Musik ist überall durch Europa gewandert, mit Soldaten, mit Handwerkern. Deswegen gibt es eine Menge gemeinsame Lieder. Wie das „Love-Tree-Lied“, das Lied über den Liebesbaum, den Lindenbaum. Eine portugiesische Version, eine schwedische, eine dänische oder eine bosnische. Anderes Beispiel: „Federmichel“, ein Kinderlied, gibt’s auch überall in Europa, oder „Kraut und Rüben“. Wir haben viel gemeinsam, und das untersuchen wir mit diesem Ensemble. Ein riesiges Experiment. Das Ensemble spielt nur ein öffentliches Konzert, das Hauptkonzert des Festivals am 28. April in Flensburg.

Aus den Bergen, aus Bad Hall in Oberösterreich, kommt die diesjährige Hauskünstlerin des Festivals, die Sängerin, Geigerin und Komponistin Julia Lacherstorfer. Sie spielt solo sowie mit ihren beiden Bands Ramsch & Rosen und Alma. Mit Alma war sie bereits 2014 Gast der Folk Baltica beim Hauptkonzert in Flensburg – und offenbar in guter Erinnerung.
Das war damals ihr erster internationaler Schritt. Julia kennt ihre Wurzeln, aber sie fordert sie auch heraus. Sie jodelt in einer völlig neuen Art. Und sie ist nicht den geraden Weg gegangen und hat Musik studiert, sondern Philosophie und Psychologie, also: Menschen. Ein paar von den Alma-Stücken sind wie Klimt-Malerei, mit vielen kleinen Details. Sie ist viel mehr als eine Geigerin, das finde ich interessant. Ich bin ja selber Geiger und finde das manchmal ein bisschen langweilig.

"Wenn man seine Tradition nicht herausfordert und entwickelt, dann stirbt die Tradition."

Eine geeignete Hauskünstlerin scheint sie auch deshalb zu sein, weil sie für die Verbindung von Tradition und Erneuerung steht, auch ein Kernansatz von Folk Baltica.
Wenn man seine Tradition nicht herausfordert und entwickelt, dann stirbt die Tradition. Eine Tradition lebt nicht nur in einem isolierten Tal in Österreich. Eine Tradition lebt auch auf der Insel Ærø in der Ostsee, wo viele Schiffe und Gedanken entlang gekommen sind.

Austausch ist wichtig, Identität ist wichtig. Wie schafft man es, bezogen auf den Folk, dass die Vermischung tatsächlich zur Bereicherung führt und nicht zur beliebigen Verwässerung? Wie zieht man die Grenze?
Die Grenzen sind fließend, auch zwischen Erneuerung und Tradition. Ein Lied ist in Dänemark bekannt als ein
Kinderlied, in Italien ist das eine Tarantella, in Schottland ist das ein Jig. Dann sitzen wir mit dem Ensemble zusammen und lernen alle drei Versionen und versuchen, alle Details mitzukriegen, damit wir die Verschiedenheit kennen. Und dann machen wir eine gemeinsame Version – aber in den verschiedenen Sprachen.
Interview: Thomas Bunjes

14. Folk Baltica vom 21. bis 29. April. Tickets: Tel . 0461/182936-16 oder www.folkbaltica.de

Einen Live-Mitschnitt aus einem Konzert des Duos Ramsch & Rosen, bestehend aus Julia Lacherstorfer und Simon Zöchbauer, finden Sie hier:

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