Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Kultur Fritzsch probt Beatles zum Mitsingen
Nachrichten Kultur Fritzsch probt Beatles zum Mitsingen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:19 07.04.2013
Von Thomas Richter
Georg Fritzsch probt Paul McCartney's Ecce cor meum. Quelle: nick
Kiel

Als Kind hat Georg Fritzsch mit seinem Freund vierhändig die Songs der Beatles gespielt. Weil der Trubel um die einflussreichste Pop-Band der Welt in den Sechzigerjahren natürlich hinter dem Eisernen Vorhang vonstattenging, gab’s zwar keine Noten, „doch irgendwie wussten wir halt, wie es ging“, erinnert sich der gebürtige Sachse. „Michelle war immer mein Lieblingslied.“ Ein typischer McCartney Song übrigens, mit einer süßen, überaus eingängigen Melodie, einer klaren Struktur und viel Leidenschaft. Ähnliche Qualitäten erkennt Georg Fritzsch auch in McCartneys viertem klassischen Werk, dem Oratorium Ecce cor meum (Siehe, das ist mein Herz), das als Mitmach-Konzert im Rahmen der Con Spirito-Sonderkonzerte zu erleben ist.

„Ich würde hier zwar nicht von einem Pop-Oratorium sprechen“, sagt der Dirigent, „aber die musikalische Sprache bewegt sich doch in einem Feld, wo man ohnehin nicht mehr nach E- oder U-Musik unterscheidet.“ Dabei, so Fritzsch, sei es beinahe rührend, wie ehrlich es McCartney mit seinen klassischen Kompositionen meine, die immer auch einen sehr persönlichen Hintergrund hätten. „Das kommt auf jeden Fall von ganzem Herzen.“ In das passt offensichtlich eine Menge rein. Denn geschrieben für gemischten Chor, Knabenchor, Solo-Sopran und Orchester, braucht das Werk ordentlich Personal. Weswegen man eigens den Knabenchor der Chorakademie am Konzerthaus Dortmund nach Kiel eingeladen hat.

Erstmals konzertieren aber auch im Orchester ambitionierte Laien neben Profi-Musikern. Etwa vierzig Instrumentalisten aus den verschiedensten Klangkörpern der Umgebung haben das Vorspielen bestanden und werden nun an der Seite von Mitgliedern des Philharmonischen Orchesters Kiel auf dem Podium Platz nehmen. „Wie bei den Choristen geht es uns darum, den Amateuren ein Gefühl dafür zu vermitteln, wie es ist, ein Werk professionell zu erarbeiten und damit auf der Bühne zu stehen“, erklärt Fritzsch.

Bei der anschließenden Probe legt er dafür ein lebendiges Zeugnis ab. „Liebe Kollegen, dies ist keine Show“, begrüßt er den bunten Haufen, „wir wollen das hier erarbeiten wie ein normales Konzert, also Konzentration bitte.“ Es folgen viele Unterbrechungen. Fritzsch nimmt sich Zeit, erklärt bildhaft, korrigiert bestimmt aber freundlich, motiviert: „Spielen Sie leidenschaftlich, wenn wir daneben liegen, dann wenigstens mit Empathie.“

So nimmt McCartneys elegisch schönes Werk Gestalt an. Auch wenn Georg Fritzsch kaum Zweifel daran lässt, dass es sich dabei möglicherweise nicht um die Krone des klassischen Oratoriums handeln könnte. „Sie spielen richtig. Es klingt zwar falsch, aber so steht es geschrieben“, erklärt er den Streichern und sucht schmunzelnd Zuflucht bei Friedrich Schillers Lied von der Glocke: „Der Meister kann die Form zerbrechen.“

Stimmlich geht es ab Freitag Vormittag um 11 Uhr auf die Zielgerade, wenn sich die Sängerinnen und Sänger zum Intensiv-Probenwochenende treffen. Bis zur Generalprobe am Sonnabend muss das Oratorium sitzen.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!