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Kultur Wenn die Seele wieder bunt denkt
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19:33 11.05.2016
Von Sabine Tholund
Die Ballonaktion wurde gestern u.a. von Joern Hagemann, Künstlerin Ute Diez und Sandra Lichtenberg vorbereitet. Quelle: Marco Ehrhardt
Kiel

Auf den insgesamt 2400 Ballons sind Schlagworte und kurze Sätze zu lesen, handschriftlich notiert von vielen helfenden Händen. „Aufgrund eigener Erschöpfung“ steht auf einem quietschgrünen Exemplar, „Verzicht auf den Verzicht“, „Mit Nachdruck“ oder „Unentschieden“ auf anderen.

 Die Kurztexte sind Zitatschnipsel des Kieler Philosophen Hans Blumenberg, abgedruckt in dem Buch Erinnerung an das Humane. Und so heißt auch das wunderbare Projekt, das Ute Diez im Rahmen von „Kunstraum B – extra“ ersonnen und mit einem vierköpfigen Organisationsteam als Intervention für den Kieler Stadtraum konzipiert hat. In Zeiten politischer Krisen und humanitärer Tragödien will sie mit der poetisch fröhlichen Aktion eine Lanze für die Menschlichkeit brechen. Schon das Motto macht gute Laune: „Frühling ist, wenn die Seele wieder bunt denkt.“ „Ich habe den Satz irgendwo gehört und er blieb mir im Kopf“, so die Kieler Künstlerin, die gestern beim Beschriften und Befüllen der Ballons im gläsernen Anbau der Muthesius-Kunsthochschule von mehreren Klassen der Humboldt-Schule tatkräftig unterstützt wurde.

 Anstoß zu dem Projekt gab eine Ausstellung zum Thema Aids 2014 in Berlin, zu der die gebürtige Dresdenerin eingeladen war. „Damals habe ich kleine Plastikbälle beschriftet und in die Ausstellung gekippt. Die Leute haben sie gesammelt oder damit gespielt und nebenbei die Texte wahrgenommen. So etwas wollte ich gern in eine größere Dimension übertragen.“ Dank der Unterstützung durch die Muthesius-Kunsthochschule und des Entgegenkommens der Stadt konnten die bunten Ballonsträuße gestern ab 18 Uhr verteilt werden. „Es ist unglaublich, wie fröhlich diese Ballons machen. Passanten sind stehengeblieben, einige haben spontan mitgeholfen“, freut sie sich über den gelungen Auftakt der Aktion, die in ihren Augen dadurch zum „Gemeinschaftsprojekt von Kiel für Kiel“ geworden ist.

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